Die alte Dame und die VBW!

Veröffentlicht: April 28, 2013 in Neues, Skuriles, Theater, Uncategorized, Wien

 Die Vereinigten Bühnen Wien sorgen weiterhin für Schlagzeilen. Laut einem Artikel in diePresse.at will Generaldirektor Drozda demnächst, laut seinen Angaben (es gilt die Unschuldsvermutung) über das erfolgreichste Jahr der VBW International berichten. Klingt an sich spannend, wäre da nicht die Causa REBECCA. Zu gerne hätte man seitens der VBW die Eigenproduktion aus der Feder des Erfolgsduos Levay/Kunze am Mekka des Musicals, sprich dem Broadway gesehen, geworden ist leider nichts daraus. Unglückliche Umstände, wie etwa erfundene Investoren tragen die Schuld für das nicht Zustandekommen der Broadway Produktion. Den VBW lag viel daran, ihr Werk am US-Markt zu etablieren, was auch verständlich macht, warum 380.000€ mal eben so als, sagen wir Obolus, über den großen Teich geschickt wurden. Laut Kontrollamtsbericht sind besagte 380.000 € im Jänner 2012 in die USA überwiesen worden, kamen aber quasi postwendend wieder zurück, woraufhin die VBW eine erneute Überweisung tätigten. Wenn dieser Fauxpas tatsächlich so stattgefunden haben soll (es steht immerhin im Kontrollamtsbericht), muss man den Verantwortlichen in Zukunft genauer auf die Finger schauen, denn die besagte Summe ist auf gut österreichisch mittlerweile „futsch“. Auch wenn darauf hingewiesen wird, dass man sich die Rechte auf Übersetzung und Requisiten gesichert haben soll, handelt es sich um Geld aus dem Subventionstopf, welches augenscheinlich verprasst wurde. Früher wäre ein solches Missgeschick ein gefundenes Fressen für DIE GRÜNEN gewesen, haben sie sich doch immer vehement gegen die VBW und das Musical per se ausgesprochen. Als großes schwarzes Loch, oder auch Sorgenkind der Wiener Kulturpolitik haben sie das Musical und die VBW tituliert. Jetzt sieht freilich alles anders aus. 2010 wurde etwa der fehlende weite Horizont bekrittelt, der es verhindert, kreative Tätigkeiten zu fördern. Da fällt mir spontan die Probebühne des Ronacher ein, welche an sich mal für Umsetzungen kreativer Ideen angedacht worden wäre, selten fanden dort Produktionen statt, von einer kontinuierlichen Betreibung jedoch weit entfernt, anstatt dessen durfte die alte Dame ihre ersten Schritte dort unternehmen, um dann in Thun glanzvoll zu erstrahlen. Zweckentfremdung? Ach, woher, der Intendant darf, in seinem Haus ja machen, was er will. Jetzt sitzen sie still und stumm da, die Grünen und bekennen sich des Weiteren dazu, früher Blödsinn geredet zu haben, denn die VBW sind ja eh erfolgreich! Nun ja, die Rebecca Euros sind in der Tat erfolgreich dahin, während Drozda behauptet, neue Investoren für den Broadwaygang gefunden zu haben, hat man sich in New York bereits im Oktober letzten Jahres über das Drama- (mit dem) Musical die Mäuler zerfetzt.(siehe hier: theatertalk mit Michael Riedel ab min. 7:53) Das kratzt natürlich am Image der Vereinigten Bühnen, wenn zumal der bislang einzige Transfer die äusserst fragwürdige Version von Tanz der Vampire war, welche, auch das ist bekannt, dermaßen verhunzt wurde, dass man am Broadway immer noch darüber lacht und Witze macht, wenn auch die Schuld dafür eindeutig bei wem Anderen dafür zu suchen ist. Nichtsdestotrotz sollen wir laut einem Interview von Herrn Struppeck dennoch einen guten Ruf in New York haben. (zum Interview von: derstandard.at)

Anstatt Energien und Geld in Produktionen im Ausland zu verschleudern, sollten Drozda und CO. lieber versuchen, den Markt, vor allem in Österreich wieder zu stabilisieren. Natürlich Blond und das kann man mittlerweile mit Gewissheit behaupten, ist leider weit hinter den Erwartungen geblieben. Gewiss, es handelt sich hier um ein relativ seicht plüschiges Produkt, dessen Zielpublikum nicht gerade zum Kaufkräftigsten zählt. Aber auch ein gut beworbenes Furzkissen kann sich als Verkaufsschlager entpuppen. Die PR-Abteilung der VBW hat allem Anschein nach, zu viel Zeit im Winterschlaf verbracht und eben dies verpasst! Ganz Wien wurde zwar rosa zuplakatiert und Autos mit dem Natürlich Blond Branding drauf, kurvten durch die Stadt! Aber gab es wochenlang keinerlei Promo-Auftritte, Autogrammstunden und dergl. Jetzt erst, als niemand mehr leugnen kann, das Struppeck mit der Wahl des Stückes gescheitert ist, finden dererlei Aktionen statt, und auch die muss man äußerst kritisch betrachten.

Es ist gut und schlau eine Showeinlage in einer derart für hohe Einschaltquoten sorgenden Sendung wie DANCING STARS (hier das Video)zu bringen. Das Stück beinhaltet schmissige Nummern, die sich anbieten würden, Beispiele hierfür gibt’s zu Genüge von Produktionen aus den USA oder England. Aber nein, man entscheidet sich für ein Lied, welches (wenn überhaupt) nur im Stück zu Geltung kommt, singulär aber komplett sinnfrei wirkt, ferner nur mit schlechtem Playback überzeugen kann und eher an einen Auftritt der Showtanzgruppe Hintertupfing erinnert anstatt an eine hochkarätige Musicalproduktion. Die Sendezeit und das Format waren viel versprechend, das Ergebnis wohl nur mittelmäßig, wenn überhaupt. Barbara Obermeier hat eine sehr ausdrucksstarke Stimme, mit der es sich lohnen könnte zu werben, doch mehr als breites Grinsen war nicht drinn. Vielleicht lernt man bis zum nächsten TV-Auftritt, der bei Carmen Nebel in Klagenfurt stattfinden wird, ja was dazu in puncto Kundenanwerbung.

Egal, welch grandiose Marketingideen zur Umsetzung bereitliegen, Natürlich Blond ist in Wien nicht angekommen, die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Es besteht Handlungsbedarf. Der Ruf nach einer innovativen Eigenproduktion ist groß und es wird ja immer wieder darauf beharrt, dass man so einiges in der Lade habe. Aber was? Innovativ war Struppeck bisher nicht wirklich und wird es weiterhin nicht sein, zumindest nicht, was das Thema Eigenproduktionen anbelangt. Es wurde viel gemunkelt und vermutet, jetzt ist es raus, die nächste Produktion der VBW wird die Musicaladaption von Dürrenmatts (ohne Deppenapostroph) DER BESUCH DER ALTEN DAME werden. Kein großes Geheimnis, nachdem ja bereits während des Workshops auf der Probebühne des Ronacher darüber spekuliert wurde. Traurig aber, dass nicht eine Pressekonferenz, sondern die Ausschreibung zu den Auditions  für die Bekanntmachung des neuen Projektes verantwortlich ist. Ein Fauxpas in der innerbetrieblichen Kommunikation vielleicht, wer weis.

Dürrenmatts Geschichte ist durchaus bekannter als jene der blonden Harvard Absolventin Elle Woods. Bereits im Schulunterricht durfte Bekanntschaft mit der alten Dame gemacht werden. Es gibt eine Vielzahl Verfilmungen und auch in diversen Theatern wird es immer wieder gerne in den Spielplan aufgenommen. Auch gab es bereits eine Musicaladaption des Stoffes unter dem Titel THE VISIT von John Kander und Fred Ebb, welche zwar nicht den geplanten Sprung an den Broadway geschafft hat, aber trotzdem auf sich aufmerksam machen konnte.

Also gibt’s für Wien wieder mal nix neues. Der Besuch der alten Dame wird seine Welturaufführung bei den Thuner Seespielen erleben und anschließend nach Wien übersiedeln. Struppeck als Intendant bringt zwar ein neues, aber kein selbst entwickeltes Stück nach Wien, wobei das Buch zum Stück von ihm stammt und die Workshop-Sessions durften auch in einem von ihm geleiteten Theater in Wien stattfinden. Aber … egal.

Für Thun hat sich eine beachtliche Besetzung finden lassen, allen voran Pia Douwes als Claire Zachanassian und Uwe Kröger als Alfred Ill. Sollte es den Verantwortlichen gelingen, die beiden Musicallichtgestalten aus früheren Glanztagen für Wien zu gewinnen, steht einem vollen Haus nichts mehr im Wege und der Titel bekommt dadurch eine nette Zweideutigkeit am Rande hinzugefügt. Aber noch ist es nicht soweit, bis auf Weiteres bleibt das rosablonde Malum Prohibitum im Ronacher bestehen und wurschtelt sich mehr schlecht als recht mal bis zu Sommerpause und wahrscheinlich sogar bis Ende des Jahres durch. Als Draufgabe erscheint demnächst die Natürlich Blond Cast CD (Hitsquad) als Gesamtaufnahme, ein Tropfen auf den heißen Stein, aber mit Sicherheit zur Freude der Blondianer.(oder wie ist die konkrete Bezeichnung für Phans dieser Show?)

Intendant Struppeck kauft also weiter freudigst ein, bleibt zu hoffen, dass die alte Dame durch die Adaption nichts von ihrem Zauber verliert und Dürrenmatt nicht dazu bringt, sich im Grabe umzudrehen.

Link zur Thuner Produktion mit allen Infos zum und rund um das Stück: www.thunerseespiele.ch

Der Deppenapostroph genau erläutert: deppenapostroph.de

Die Broadway Rebecca: www.rebeccathemusical.com

Michael Riedel New York Post: www.nypost.com/columnists/michaelriedel

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Kommentare
  1. MR sagt:

    Schön auf der Premierenfeier von NB im Rathaus feiern und nun darüber lästern! – Made my day.
    Das Geld für Rebecca wurde nicht aus der Subvention genommen sondern aus dem Gewinn der Auslandsproktionen.

    • Das stimmt, ich war, wie viele andere auch, im Rathaus zu gegen. Wenn es von ihnen als lästern empfunden wird, ist das auch in Ordnung. Als zahlender Konsument ist es legitim, seine Meinung abzugeben und das Natürlich Blond nicht so, wie in anderen Ländern funktioniert, finde ich persönlich sehr schade, ändert aber nichts an der aktuellen Lage.

  2. Klaus sagt:

    Das Geld für Rebecca wurde nicht aus der Subvention genommen sondern aus dem Gewinn der Auslandsproktionen.

    @MR: Etwas verspätet, aber da muss ich folgendes sagen. Durch welche Gelder bitte schön wurden den die ertragreichen Auslandsproduktionen in Wien entwickelt? Warum gibt es neben der VBW die VBW-International als 100% Tochter der VBW? Vielleicht deswegen, um etwaige Gewinne auszugliedern, damit die Subventionen nicht gefährdet sind?

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