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MOZART! Das Musical, besser denn je?

Veröffentlicht: September 29, 2015 in Neues, Premiere, Wien
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Der Intendanz der Vereinigten Bühnen Wien kann man so einiges vorwerfen, aber Ideenreichtum gehört wohl nicht unbedingt dazu, viel Innovatives oder auch Neues hat man bisher ja nicht aus dem Hut gezaubert. Nachdem ELISABETH nun endlich zu Tode getanzt worden sein dürfte und die Vampire bereits eine abgespeckte  zweite Runde hinter sich haben, war es an der Zeit eine weitere Eigenproduktion aus dem Keller zu holen. Zugegeben, MOZART! war damals schon nicht unbedingt der ganz so große Wurf und so hielt sich die Vorfreude auf die Premiere der Neuinszenierung doch mehr als deutlich in Grenzen.

Aber manchmal kommt es eben anders als man denkt. Ein Klavier, ein paar Stühle, gekonnt eingesetzte Projektionen und eine Cast, die singen und spielen kann, mehr braucht es eigentlich auch nicht um eine Geschichte zu erzählen.Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass es sich hier keinesfalls um eine historisch korrekte und chronologische Abhandlung von Mozarts Leben handelt, vielmehr zeigt uns Harry Kupfer (damals wie heute verantwortlich für die Regie), wie es denn so hätte sein können. Der Verzicht auf pompöse Kostüme oder aufwändiges Make-Up schafft in dem doch nicht so kleinen Raimundtheater eine beinahe intime Stimmung, die man erst mal auf die Bühne zaubern muss. Kupfer inszeniert reduziert, zeichnet ohne vielerlei Hilfsmittel ein Portrait, welches ob seiner Einfachheit gewiss vielen, selbsternannten Musicalexperten nicht sonderlich wohl bekommen mag. Egal wie gut oder schlecht in Szene gesetzt, der Erfolg steht oder fällt auch mit den Leuten, die das Ganze präsentieren und zum Leben erwecken sollen. Hier hat man seitens der Casting Abteilung ganze Arbeit geleistet. Allen voran erneut ein Hauptdarsteller, dessen Name  anfänglich etwas schwierig auszusprechen scheint: Oedo Kuipers. Der Kerl hat alles was es braucht, um diese große Rolle physisch und psychisch stemmen zu können. Kuipers singt und spielt mit einer Leichtigkeit, die es einem unmöglich macht, nicht hinzusehen. Sein Engagement ist durchaus als Bereicherung für das Musical-Österreich zu sehen.

Wer jetzt glaubt, der groß aufgeigende Holländer würde alle anderen Darsteller verblassen lassen, irrt gewaltig. Thomas Borchert (damals wie heute Leopold Mozart) präsentiert sich ergreifend und authentisch wie selten zuvor. Barbara Obermeier (Nannerl) und Franziska Schuster( Constanze Weber/Nissen) singen und spielen überzeugend unaufdringlich. Selbst Mark Seibert (Hieronymus Colloredo) weis zu überzeugen, ist stets am Punkt, liefert eine solide und durchaus gewinnbringende Performance ab. (Die Rede ist nicht nur von seiner Brustmuskulatur, wenn auch diese mehr als beachtlich ist)

Von einem anderen Stern scheint Ana Milva Gomes zu sein. Ihre Auftritte gleichen mehr einer großen Diva denn einer klassischen Baronin, wie man sie vielleicht aus den Geschichtsbüchern zu kennen meint. Als farbige Baronin von einigen als krasse Fehlbesetzung abgetan, hat sie mit ihrem Gold von den Sternen auch die letzten nicht müde werdenden Kritiker zum verstummen gebracht. Bei solch einer Darbietung muss einem ja förmlich das Herz in der Brust aufgehen.

Ebenfalls erwähnenswert ist der diesmal ordentlich gefüllte Orchestergraben. Wahrlich eine Freude, Koen Schoots und seinem großen Klangkörper lauschen zu dürfen. Echte Musik, nicht jene aus der Dose, macht Wien ebenso besonders wie die immer wiederkehrenden Dennis Callahan signifikanten, mittlerweile mehr als vertraulich wirkenden aber immer noch charmanten eckigen Choreografien, die einen erinnern, dass Musical auch in Wien begeistern kann.

Natürlich, wie könnte es denn anders sein, gibt es mehrere neue Songs, sehr charmant etwa das Duett von Constanze und Mozart am Karussell, auch nett und neu Mozart vs Colloredo. Wenig erfreulich, dass Hier in Wien deutlich an Länge und Substanz verloren hat. Zu schade, strotzt diese Nummer doch geradezu vor Wahrheiten und Weisheiten über das schöne und mitunter auch tückische  Wien.

Kupfers Inszenierung ist ein Gewinn für das Musical, es zeigt seine ernsthafte Seite, die mehr ist als nur schenkelklopfendes Unterhaltungstheater. Es zeigt auch, dass es keine sündhaft teuren Kulissen, Feuer oder gar fliegende Fledermäuse braucht um das Publikum mitzunehmen und ihm eine Geschichte zu erzählen. Nicht jedem wird der erneute Aufguss des Levay/Kunze Stückes Freuden bereiten, Grund zum sudern findet man vor allem in Wien mehr als genug. Ein stimmiges Ensemble, großes Orchester und eine spannende Inszenierung, was will man mehr. Wer hätte gedacht, dass MOZART! seinerzeit nach Elisabeth und den Vampiren eher mäßig erfolgreich, die wohl beste aller Neuinszenierungen erfährt.

MOZART! Besser denn je? Hingehen und selbst entscheiden.

Infos zum Stück: www.vbw.at

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WIE WIRD MAN SEINEN SCHATTEN LOS?

Veröffentlicht: April 14, 2015 in Musical, Neues, Wien
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Eine Frage, die sich seit der heutigen Pressekonferenz der Vereinigten Bühnen Wien zur Wiederaufnahme von MOZART! Das Musical mehr und mehr aufdrängt. Im Vorhinein wurde ja bereits viel getuschelt und gerätselt, wer denn in die Fußstapfen des seinerzeit unbekannten und für viele unaussprechlichen Darsteller treten wird. (die Rede ist von der Originalbesetzung Yngve Gasoy-Romdal)

Nun, eine kongeniale Interpretation zu kopieren endet meist im Sumpf belangloser Peinlichkeiten, dass scheint auch bei den VBW schön langsam angekommen zu sein. Nach der gefühlt hundertsten Wiederaufnahme von ELISABTEH, oder den Lack und Leder Vampiren war es ein mehr logischer als überraschender Schritt, MOZART! auch wieder nach Wien zu bringen. Prof. Michael Kunze und Sylvester Levay haben ihr Stück von Produktion zu Produktion, wie sie es nennen, weiterentwickelt und im September soll nun dem Wiener Publikum die „Quintessenz“ der gesammelten Werke präsentiert werden. MOZART! in neuem Gewand? Sieht wohl ganz danach aus.

Neben vielen bekannten Gesichtern greift man bei der Besetzung von Wolfgang Amadeus Mozart auf das Erfolgsrezept von damals zurück. Ein, auch in der Szene, frisches Gesicht mit mehr oder weniger einfacher auszusprechendem Namen als damals der von Herrn Gasoy-Romdal wird sich dem Wiener Publikum ab September präsentieren. Oedo Kuipers (man sagt angeblich Udo) heißt der junge Knabe und kommt, wie sollte es anders sein, ursprünglich aus Holland. Seine musikalischen Kostproben bei der Pressekonferenz lassen eine gute Wahl erahnen, seine Stimme klingt vielversprechend und auch sein Auftreten bringt eine Frische mit sich, die dem Stück mit großer Sicherheit gut tun wird.

©Verena Funk

Oedo Kuipers bei der Pressekonferenz zu MOZART! Das Musical ©Verena Funk

Für viel Gesprächsstoff sorgt auch die Besetzung der Baronin von Waldstätten. Ana Milva Gomes ist, da gibt es nichts zu diskutieren, eine hervorragende Sängerin mit großer Stimme und dem nötigen Fingerspitzengefühl fürs Feine, aber Martha Elisabeth, Baronin von Waldstätten ist eine historische Figur und kein fiktiver Charakter wie etwa Chubaka. Mit der historischen Vorlage, sagen wir mal, zu brechen und mit Gomes eine farbige Darstellerin als Baronin zu besetzen mag vielen ein Dorn im Auge sein, aber am Ende vom Tag zählt und ich spreche jetzt nur für mich, dass mich die Person auf der Bühne mit ihrer Darstellung berührt hat, mir ihre Geschichte glaubhaft vorgetragen hat. Da ist mir egal ob die Beste Grün, schwarz oder zartrosa ist, letzten Endes geht es nicht um die Hautfarbe, sondern um das Gefühl und da (ich spreche immer noch nur für mich) fühle ich mich bei Frau Gomes bestens aufgehoben.

Neben einigen erfreulichen Wagnissen setzt man zumindest bei der Besetzung von Hieronymus Colloredo auf Erprobtes. MARK SEIBERT wird den seinerzeit von UWE KRÖGER kreierten Part übernehmen und, das zeigte schon sein Auftritt bei der Pressekonferenz, die Frauenherzen höher schlagen lassen. Eines haben beinahe alle von SEIBERT bisherigen Rollen gemeinsam, er hat sie immer mit starker Brust präsentiert.

Kommen wir zum wohl erfreulichsten Punkt der Wiederaufnahme im neuen Gewand. Der beinahe leergefegte Orchestergraben im Raimund Theater darf sich ab September wieder über reges Getümmel freuen. 27(!) Musiker sollen die Partitur von Levay zum Klingen bringen. Endlich wird Musik wieder von Musikern und nicht von der Konserve gemacht!

Das Leading Team von damals darf sich die neue Inszenierung vorknöpfen, bleibt zu hoffen, dass man nicht wieder in den Farbtopf köpfelt, sondern die Reinkarnation in, von mir aus auch zeitgenössischen Bildern, stimmig zum Leben erweckt.

Zurück zur eingangs gestellten Frage: Den Schatten der damaligen Produktion wird man tatsächlich nur los, wenn man es wagt, neue Wege zu beschreiten und diese mit Bedacht wählt. Das Wiener Publikum ist sich seiner Musicalvergangenheit bewusst und weiß, wann man ihm billiges Futter aus der Konserve anzudrehen versucht. MOZART! hat neben einem echten Orchester (27! das kann man gar nicht oft genug erwähnen) durchaus den Eindruck erweckt, Potential zu haben. Mal sehen was im Herbst davon noch übrig ist. Jetzt gilt es mal die Termine für die kommenden Sommerproduktionen in den Kalender zu übertragen  und die länger werdenden Tage zu genießen. Hmm… ein Eis, das wär eine Idee.

Mehr Infos zur Show: www.vbw.at

Videobeitrag zur Pressekonferenz: www.wienholding.tv

Scharf drauf, nass zu werden?

Veröffentlicht: November 23, 2014 in Allerlei, Neues, Premiere, Skuriles, Tour, Wien

Dann nichts wie ab in die Halle E im Wiener Museumsquartier. Richard O`Brians Rocky Horror Show, laut, schrill, ein wenig revitalisiert, jedoch genauso ungezogen wie eh und je, lädt dort für kurze Zeit zum Step to the right ein. Wer mit dem Gedanken spielt der Show einen Besuch abzustatten, mit Rocky Horror aber bisher noch nie so auf Tuchfüllung gewesen ist, sollte gewarnt sein. Es könnte durchaus nass werden, lassen sie ihren feinen Zwirn also lieber im Schrank. Pumps und knappe Kleidung entsprechen eher dem Stil der Show und keine Sorge, sie werden nicht allein dortstehen, Rocky Horror ist bekannt für jede Menge Crossdresser im Publikum.

© Jens Hauer

© Jens Hauer

„Rocky Horror is a show about entrances“, erzählt  Riff Raff  Stuart Matthew Price. Wie recht er doch hat. Von Anfang an geht es Schlag auf Schlag. Zuerst sorgt Maria Franzen (Magenta) mit „Sience Fiction, Double Feature“ dafür, dass es einem eiskalt über den Rücken runterläuft. In dieselbe Kerbe schlägt in weiterer Folge Stuart Matthew Price (Riff Raff). Sein kurzes Solo in „Over at the Frankenstein Place“ genügt, um zu zeigen welche Kraft und auch welche Range in seiner Stimme steckt. Seine Darstellung des skurrilen Butlers ist keine billige Kopie der kongenialen Interpretation Richard O‘ Brians, sondern viel mehr die Neuerfindung einer Legende. Das Sahnehäubchen setzt Rob Fowler (Frank’nFurter) der Show auf. Der Brite, zu lang schon nicht mehr in Wien präsent gewesen, beherrscht nicht nur die High Heels auf denen er den gesamten Abend mit Leichtigkeit bestreitet, er beherrscht vor allem seine Stimme, er rockt dass sich die Balken biegen, weiß aber auch mit ruhigeren Momenten umzugehen. Seine Stimme präsentiert sich kräftiger und vitaler denn je. Es scheint, als würde Fowlers Frank’nFurter von Jahr zu Jahr besser, eine Bereicherung für das Stück. Generell handelt es sich bei dieser Rocky Horror Show um ein Konglomerat an großartigen Stimmen. Schade, dass es eine derartige Ansammlung von großartigen Darstellern in einer Produktion immer seltener anzutreffen gibt.

Wer scharf drauf ist nass zu werden, sollte seine Spritzpistole bis an den Rand füllen, Konfetti und Zeitung nicht vergessen, den Lidstrich nachziehen und sich schleunigst auf den Weg ins Museumsquartier machen! Das Musical Feuerwerk bleibt nur bis zum 14. Dezember in der Stadt und das sollte man sich, nein, das darf man sich einfach nicht entgehen lassen. Ein Klassiker mit hochkarätiger Besetzung die süchtig macht und alles andere als BORING ist.

 

Infos zur Show: www.rocky-horror-show.de

Tickets zur Show: oeticket.com