Archiv für Juni, 2013

Statt Pink nun Schwartz! Der Spielplan der VBW

Veröffentlicht: Juni 24, 2013 in Neues, VBW, Wien

Da kommt einiges auf uns zu. Gleich zwei Pressekonferenzen gilt es zu bewerten. Zum Spielplan 2013/14 wurde ja bereits der Audiostream der Pressekonferenz gepostet. Interessantes gab es da zu hören. Intendant Struppeck sprach etwa von einer Theater Uraufführung vom BESUCH DER ALTEN DAME, welche im Feber 2014 über die Bühne gehen soll. Nun, laut Duden handelt es sich bei einer Uraufführung um die erste! Aufführung eines Stückes, diese findet aber bereits dieses Jahr im Rahmen der Thuner Festspiele statt. Struppeck erweckte eher den Eindruck, dass es sich bei Thun um einen Try-Out Spielplatz der VBW handeln würde, was defakto nicht so ist. Die Welturaufführung vom BESUCH DER ALTEN DAME wird definitiv in Thun stattfinden. Wien darf sich mit der Österreichischen Erstaufführung schmücken, mehr aber auch nicht. Es gibt definitiv keine Unterteilung bezüglich einer Open Air Uraufführung und einer, die im Theater stattfindet. DER BESUCH DER ALTEN DAME könnte also durchaus spannend werden, erste Hörproben befinden sich ja bereits im Netz.

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Während im Ronacher quasi Mut bewiesen wird was Neues zu bringen, geht man ab 2014 im Raimundtheater auf Nummer Sicher. MAMMA MIA! sorgte bereits weltweit für Begeisterungsstürme im Publikum und an den Theaterkassen, selbiges erwartet man sich auch für Wien. MAMMA MIA! zu bringen ist nicht wirklich einfallsreich, aber verständlich, denn es bringt vierlei Vorteile mit sich. Jeder kennt die Musik, dass die Liedtexte auf deutsch gesungen werden, juckt sogut wie niemanden. Was aber sauer aufstößt ist der Fakt, dass man für MAMMA MIA! kein Orchester, sondern lediglich eine Band benötigt, welche mit 12, 10 oder gar 7 Musikern auskommt. Auch wenn Struppeck bei der Pressekonferenz auf die Frage einer Kollegin antwortet, dass man sich um die „große“ Besetzung bemühe, handelt es sich nichtsdestotrotz um eine Bandbesetzung und nicht um ein Orchester. Gut, für MAMMA MIA! würde auch eine Einspielung via iPod genügen und die Leute würden trotzdem in Scharen ins Theater strömen. Martin Bruny hatte also recht, als er die Vermutung aufstellte, dass unser Klangkörper sukzessive reduziert werden würde. (siehe hier)

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Da wir schon beim Orchester sind. Mit LOVE NEVER DIES, Lloyd Webbers eher schwachem Versuch das Phantom der Oper in einer Fortsetzung wiederauferstehen zu lassen, wird die anscheinend so erfolgreiche Konzertreihe fortgesetzt. Die Inszenierung obliegt erneut dem Dynamischen Duo Struppeck und Gergen. Gewiss erscheint es einigen Kritikern suspekt, dass  für die überschaubare Spielzeit von 8 Vorstellungen extra eine Übersetzung ins Deutsche angefertigt wird. Was da wohl dahinter steckt, oder wer hier welchen Handel vollzogen hat, lässt sich nur vermuten, aber wir wollen hier keine wüsten Spekulationen anstellen und belassen es bei der Tatsache, dass die Deutschsprachige Erstaufführung von Andrew Lloyd Webbers LOVE NEVER DIES noch im Oktober diesen Jahres im Ronacher über die Bühne gehen wird. Hoffen wir mal, dass es keine Abschiedsvorstellung des Orchesters, wie man es bis dato kennt und liebt, sein wird.

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Nach der Pressekonferenz zum Spielplan 2013/14 luden die VBW erneut in die Kantine des Ronacher, um eine neue Eigenproduktion im Beisein des Komponisten zu präsentieren. Niemand geringerer als Stephen Schwartz nahm da neben Christian Struppeck Platz.

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Schwartz, verantwortlich für Shows wie etwa Pippin oder WICKED um nur einige zu nennen, soll sich nun das Liebesleben von Eleonore und Emanuel Schikaneder zur Brust nehmen. Der Titel „SCHIKANEDER“  ist etwas irreführend, könnte sich doch auch um die Biographie Schikaneders handeln, tut es aber nicht. Komponist Schwartz erwähnt bei der Pressekonferenz, dass sich dies während des Entstehungsprozesses (geschrieben wurde bisher noch nichts) durchaus noch ändern kann, was auch nicht schlecht wäre, denn SCHIKANEDER allein ist verwirrend und lässt falsche Rückschlüsse ziehen. Aber es bleibt ja noch ein wenig Zeit um sich hier etwas reißenderes einfallen zu lassen. Da hat Struppeck ohne Zweifel einen Knaller an Land gezogen. Schwartz kennt das Genre und weiß große Momente mit seinen Melodien zu kreieren. Wollen wir hoffen, dass er seinen Genius auch für SCHIKANEDER versprühen wird.

Apropos Struppeck. Der Herr Intendant lässt es sich erneut nicht nehmen und wird auch bei diesem Stück tatkräftig in der Entstehung mitmischen, schreibt er doch das Buch zur Show.
An dieser Stelle muss ich einfach fragen: „Hat ein Intendant sonst nichts zu tun?“
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Struppeck darf sich nicht wundern, wenn ihm ein nicht unbedenkliches Naheverhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer vorgeworfen wird. Sollten seine Aufgaben nicht wo anders liegen? Egal, hoffen wir mal darauf, dass SCHIKANEDER alsbald von sich hören lassen wird, im positiven Sinne versteht sich.

Der Audiostream zur Pressekonferenz mit Stephen Schwartz

Alle Infos zum Kartenverkauf und diversen Informationen zu den neuen Stücken unter: www.vbw.at

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Das Amphitheater Petronell Carnuntum dient am 20.& 21. August als Kulisse für die Konzertreihe Musical Unplugged 7.
Vor den Toren Wiens werden Riccardo Greco, Rory Six, Jakob Semotan, Martin Pasching (20.8), Luc Devens und Florian Schützenhofer (21.8.) gleich zwei! unterschiedliche Programme präsentieren.

Am 20.08. wird es ein Solo Special geben, gefolgt von einem Ensemble Special am 21.08. Es werden bekannte Melodien aus Elisabeth, Tanz der Vampire, Mozart, Jekyll & Hyde, Les Miserables uvm. zum Besten gegeben werden.

Neben den eben erwähnten üblichen Verdächtigen, sollen auch weniger bekannte Stücke im Amphitheater erklingen. Der Solo Abend wird, wie es der Titel schon verrät, sich aus diversen Soli zusammensetzen. Jeder der Herren wird mehrere, ihm persönlich wichtige Lieder präsentieren. Der Ensemble Abend wird sich folgerichtig mit Duetten, Quartetten und Ensemblenummern füllen.

M.U.7 ENSEMBLEWeiters sollen auch Lieder, welche eigentlich nur der Damenwelt vorbehalten sind, aus der Herren Münder erklingen. Ein Grund mehr, sich Musical Unplugged 7 nicht entgehen zu lassen, wer weiß, vielleicht wird sich einer der 7 gar als Elisabeth versuchen und ICH GEHÖR NUR MIR eine ganz besondere Tiefe verleihen.

Infos zur Konzertreihe und Tickets auf musical-unplugged.at
Infos zum Veranstaltungsort und Tickets auf culturcarnuntum.at
Musical-Unplugged auf facebook: musical-unplugged
Gespielt wird Open Sky, sprich in einem Zelt. Falls der Sommer also an den besagten Terminen keine Zeit haben sollte, ist das auch egal, die Konzerte werden wie geplant stattfinden.
Tipps zur Anreise:

Mit dem Auto:  S 1 – bis
A 4 – bis Ausfahrt Fischamend
B 9 – bis Petronell Carnuntum
Fahrzeit von Wien: zirka 35 Minuten

Mit dem Rad: weniger ratsam
Zu Fuss: gar nicht ratsam

Es gibt Musiker die ihr Instrument beherrschen wie kaum ein anderer, es gibt Sänger derer Stimme man sich nicht entziehen kann und es gibt Komponisten, deren Kompositionen einen nicht mehr loslassen. Rory Six ist einer davon.

WENN ROSENBLÄTTER FALLEN handelt von Krankheit, Leid und Tod. Nichts, worüber man sich etwa beim Abendessen gerne unterhält, nicht unbedingt etwas, das die Massen reißerisch ins Theater zu ziehen vermag, würde man denken.
Zwei CD Aufnahmen und diverse Aufführungen sprechen eine eindeutige Sprache, der Ruf nach Musicals, die sich mit ernsthaften Themen auseinandersetzen, wird zunehmend lauter. Ab September etwa wird das Stück im Theater Hof (in Bayern ganz oben rechts) zu erleben sein.
Doch damit nicht genug. Gemeinsam mit David Nando hat Six eine englische Version erarbeitet. Nicht gerade risikoarm, zeigten doch die jüngsten Geschehnisse am deutschsprachigen Musical Markt, wie schnell man mit einer halbherzigen Übersetzung ein Stück in den Sumpf der Belanglosigkeiten schicken kann. Unlängst lud Komponist Six zum Reading des Stückes.

Um es mal ganz banal und in rosa auszudrücken: „Es benötigt Herz.“ Natürlich auch Verstand und Geschick und das alles vereint Six. Die englische Version „A Summer Rose in Winter“, präsentiert sich geschickt transponiert. Was meine ich damit? Nun, es wurde nicht nur der Text übersetzt, sondern auch an den jeweiligen Charakter angepasst. Satzkonstellation und die Wahl der Wörter verleihen der Rolle zusätzliche Authentizität und lassen sie noch realer erscheinen. Was bei manch anderen Übersetzungen eher an die Verwendung von google translate erinnert, präsentiert sich hier als eigenständiges, in sich schlüssiges Werk.

Zurück zum Reading. Six nahm persönlich Platz am Klavier, nicht ohne zuvor das Publikum darauf hingewiesen zu haben, aufgrund fehlender Probezeit bei etwaigen Fehlern nachsichtig zu sein und wies drauf hin, dass es sich lediglich um ein Reading handle, man also vorrangig nur lesen und singen werde.
Nun, dass der gute Herr Six ein wenig tief gestapelt hat, möge man ihm an diesem Punkt getrost verzeihen. Schon beim ersten Ton war klar, an diesem Nachmittag mehr als nur ein Reading im klassischen Sinne serviert zu bekommen. Es ist immer etwas besonderes, wenn der Komponist selbst sein eigenes Werk zum Besten gibt. Ich hätte nichts dagegen einzuwenden gehabt, hätte Six allein mit dem Klavier den Gesamtscore instrumental zum Besten gegeben, so intensiv, so berührend war sein Spiel.

Jacqueline Braun (ROSE), Marle Martens (IRIS) und Riccardo Greco (TOM) erwiesen sich als homogene Truppe. Braun und Greco interagierten und harmonierten auf eine, für ein Reading unübliche Art und Weise. Tränenreich ihre Interpretation, aufwühlend, ergreifend, aber auch herzerwärmend. Wer würde denn nicht gerne von seiner dahingeschiedenen Mutter Anweisungen in Briefform erhalten.
Die drei haben an diesem Nachmittag gemeinsam mit Six bewiesen, dass man für ein „großes“ Musical keinerlei spektakuläre Kulissen, aufwendige Kostüme oder gar Hunde benötigt. Braun, Martens, Greco, Six, drei Mikros, handgerechte Requisiten, ein Klavier und ein Stück das unter die Haut geht, weil es authentisch wirkt, nicht banal kommerziell gestaltet ist, sondern eine Botschaft beinhaltet und schafft, diese auch zu transportieren.

Six beabsichtigt, sein Stück auch im englischsprachigen Raum aufzuführen. Mit dem Reading in Wien allein ist es freilich nicht getan, aber ein Grundstein ist gelegt und zwar einer, der sich sehen lassen kann.

A Summer Rose in Winter / Wenn Rosenblätter Fallen

Musik: Rory Six
Liedtexte: Kai Hüsgen
Buch: Kai Hüsgen/ Rory Six
Englische Übersetzung: David Nando/ Rory Six
Zusätzliche Texte: Ellen De Clercq

Reading Cast:

Rose: Jacqueline Braun
Iris: Marle Martens
Tom: Riccardo Greco
Klavier: Rory Six

Website von Kai Hüsgen: Kai Hüsgen
Website von Rory Six: Rory Six
Infos zum Spielort Hof: Theater Hof
Die CD auf amazon: Wenn Rosenblätter fallen ( Filipcic, Stelley,Kurt)
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Wenn Rosenblätter fallen auf facebook:facebook/rosenblätter