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Miserables Kino

Veröffentlicht: Februar 22, 2013 in Allerlei, Kino, Neues

Was haben Kerry Ellis, Gina Beck, Hannah Waddingham, Julia Worsley, Dianne Pilkington, Jeff Nicholson, Simon Shorten usw. gemeinsam? Richtig, alle haben ihre Spuren in der Erfolgsgeschichte von Les Misérables hinterlassen. Als besondere Ehre, wenn man so will, finden sie sich in kleinen Rollen in Tommy Hooper’s Blockbuster wieder. Eine Freude, so viele bekannte Gesichter auf der Leinwand präsentiert zu bekommen, nebst all den großen Hollywood Stars.

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Endlich ist es in Österreich soweit, Hugo’s Elende haben unsere Kinosäle erreicht. Während die USA und das Britische Königreich sich bereits zu Genüge an den Leiden Valjean’s laben konnten, musste man sich hierzulande in Geduld üben. Lobeshymnen eilen der Produktion voraus, Preise prasseln nur so drauf ein, Anne Hathaway wird mit ihrer Version von I dreamed a dream geradezu in den Himmel gelobt, Russel Crowe mit seiner nicht gerade überzeugenden Performance in sämtlichen Foren und Plattformen zerrissen und Jackmann darf ein extra für den Film (oder war’s für ihn?) neu geschriebenes Lied zum Besten geben, das aufgrund des großen Erfolges Mr. Producer Cameron Mackintosh dazu veranlasst hat Überlegungen anzustreben, es in die aktuelle Bühnenversion einzubauen. Wie auch immer. Wer mit der Einstellung ins Kino geht, eine Filmadaption und nicht die Bühnenversion als Film serviert zu bekommen, wird seine Freude daran finden können.

Der On-Set Live Gesang wurde nur partiell im Studio nachgebessert, ist durchaus nicht jedermanns Sache, hat seine Vor und auch seine Nachteile. Manches wünscht man sich, wäre besser von Profis an den Mischpulten aufgebessert worden, anderes bedarf keinerlei technischer Unterstützung, ergreift einen auf natürlichem Wege zutiefst. Wer sich in der Wiener Musicallandschaft eher mäßig unterhalten fühlt, findet hiermit eine gelungene Alternative, zu günstigeren Konditionen als anderorts. Les Misérables ist wieder in der Stadt, wenn auch nur auf der Leinwand statt auf einer Musicalbühne, aber wer weiß, was der neuen Intendanz noch für Geniestreiche einfallen werden, da man ja jetzt die Musicals in Concert Reihe quasi neu für sich entdeckt hat.

Wer Lust und Laune verspürt mehr über den Film zu lesen, findet in der aktuellen Ausgabe des musicalcocktail einen ausführlichen Bericht von mir.

Les Misérables: der Film
Les Misérables: Offizielle Website
Les Miserables: Hintergrundinformationen zum Film
Les Miserables: Fanpage zur Londoner Produktion

Immer wieder Österreich!

Veröffentlicht: Februar 21, 2013 in Deutschland, Neues, Stuttgart, Theater

14.02.2013, Valentinstag, im Palladium Theater Stuttgart Premiere, oder besser gesagt Wiederkehr von MAMMA MIA! Das ABBA-Musical startet an alter Wirkungsstätte erneut durch und sorgt abermals für Besucherschlangen an den Theaterkassen. Tickets gehen weg wie warme Semmeln und es wäre keine all zu große Überraschung, würde die geplante Laufzeit alsbald verlängert werden. Die Nachfrage scheint gegeben und die Schwaben hocherfreut, Waterloo und Co. wieder in ihrer Hauptstadt begrüßen zu dürfen.

Das Set ist zwar massiv geschrumpft, aber wen interessiert bei MAMMA MIA! schon die Deko. Wie für Stuttgart bereits üblich, tummeln sich auch hier wieder Österreicher, vor allem in den Hauptrollen. Mit Pfeffer im Hintern und Gold in der Kehle treibt Sabine Mayer, alias Donna, im Schwabentempel die Temperaturen zum Siedepunkt. Barbara Rauenegger als Rosie steht der Niederösterreicherin in nichts nach, lässt nebst ihrer Stimme auch ihre Brüste sprechen. Ramin Dustdar als Drittel-Vater scheint sich in Pumps und Glitzer Outfit sichtlich wohl zu fühlen, dass er stimmlich eine gute Figur macht, muss nicht extra erwähnt werden. Annakathrin Naderer (Ali) erzeugt wenig Nachhaltigkeit, hat jedoch auch keine großen Möglichkeiten diesbezüglich. Last but not Least mischt sich mit Denise Jastraunig österreichisches Blut auch unters Ensemble. Sie darf als Cover Sophie für Furore sorgen und wird mit Sicherheit auch dieser Rolle ihren persönlichen Stempel aufdrücken.

Im Palladium Theater wird nach den erloschenen Flammen wieder allabendlich HAPPY-FEELING verbreitet. STAGE ENTERTAINMENT hat auf Nummer Sicher gesetzt und damit voll ins Schwarze getroffen, aber ganz ehrlich, was soll mit MAMMA MIA! denn schon schief laufen? Das Rezept ist denkbar einfach: Man nehme bereits massenerprobte Lieder, am besten 22 oder so, füge diese in eine mehr oder weniger sinnvolle Geschichte, suche sich sangeskräftige Darsteller, vier oder fünf Österreicher und Voilà, fertig ist der Erfolg.

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©STAGE ENTERTAINMENT

Internationale Website des Stückes: MAMMA MIA! GLOBAL

Informationen zur Stuttgarter Version: MAMMA MIA! Stuttgart

Reeperbahn, Hamburg, die sündigste Meile der Welt . Vom Millerntor (ole ole) bis zum Nobistor erstreckt sich auf ca 950 Metern alles was das Herz begehrt und die Brieftasche leichter werden lässt. Wenn von einer Hommage an die Reeperbahn die Rede ist, kommt einem so manches (meist schmutziges) in den Sinn. Das Dreigespann Martin Lingnau (Komposition), Thomas Matschoß (Buch) und Heiko Wohlgemuth (Songtexte) hat es sich vor 10 Jahren zur Aufgabe gemacht, die Geschehnisse auf dem Kiez, genauergesagt an einer Imbissbude in Wort und Ton zu verfassen. Eigentlich nur als kurzes Intermezzo geplant, hat man mit der Heißen Ecke den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf getroffen und dem Viertel gebührend ein unterhaltsames, herzerwärmendes Stück auf dem Silbertablett serviert. Die Melodien gehen sofort ins Ohr und nisten sich dort unwiderrufbar ein.

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Viele kleine Geschichten treffen sich am Tresen der Imbissbude. Es wird geliebt, gelitten, gelacht und auch gestorben. Taxiprinzen, Würsteldreherinnnen, Liebesdirnen oder Pinneberger Partylöwen mit dezent begrenztem Horizont rauschen über die Tivolibühne. Fünfzig Rollen werden von „neun“ Darstellerinnen und Darstellern zum Besten gegeben.

Da bekommt der Kunde des horizontalen Gewerbes sein Fett weg, werden Möchtegern Musicalstars mit ihren Audition Alüren durch den Kakao gezogen, dürfen Bayern erfahren, wer wahrhaft Fussball spielen kann und Liebende finden zueinander unter den gütigen Schwingen des Engels von St. Pauli.


Seit 10 Jahren erfreut die Heiße Ecke mit ihren kalten Currywüsrten, welche aber nur von den Darstellern verspeisst werden müssen, das Publikum. Die Hamburger Morgenpost titelte sogar: Das beste Musical Hamburgs!


Neben der schleppend steppenden Savanne, Rinderhälften verprügelnden Fäustlingen und affenartigen Animosen besticht die Heiße Ecke ohne großartige Bühnentechnik mit Herz und Hirn. Vertraut erscheint dem Zuseher die eine oder andere dargebotenen Szene, manch einer ist nachher peinlich berührt, vor allem wenn die Damen der professionellen Liebe über ihre Alltagsprobleme und Kundenwünsche referieren. Große Gefühle auf einer eher kleinen Bühne mit dem doch speziellen Charme des Tivolis. Ich kann mich an keine besuchte Vorstellung erinnern, bei der  nicht pünktlich, mit einer Viertelstunde Verspätung begonnen wurde. Das Publikum hat die Heiße Ecke und seine mangifaltigen Charaktäre bereits seit längerem ins Herz geschlossen. Neben den großen, medial aufwendig beworbenen Stücken, ist die Heiße Ecke mittlerweile mehr als nur Geheimtipp, sie ist quasi ein Pflichtermin bei einem Besuch auf der sündigen Meile. 2500 Vorstellungen sind ein mehr als eindeutiges Zeichen für den unaufhaltbaren Erfolg der Heißen Ecke.


Weil 10 Jahre schon ein bisschen was ist, gibts hier noch ein Interview mit dem Songtexter der Show:

Heiko Wohlgemuth. Er agiert selbst an ausgewählten Terminen am Tresen der Heißen Ecke, ist aktuell für die Übersetzung der deutschsprachigen Uraufführung von Natürlich Blond zuständig und wird nun Rede und Antwort stehen!

10 Jahre Heisse Ecke, das heisst 10 Jahre begeisterte Zuseher, Unmengen an verspeisten Curry-Würsten und viel Reeperbahnfeeling. Wie kam es eigentlich zu der Idee, ein Stück rund um die Geschehnisse einer Würstelbude auf St. Pauli zu kreieren?

Es begab sich so, dass wir vor 10 Jahren ein „Loch“ im Spielplan hatten und eine Übergangsproduktion brauchten. Nur für ein paar Wochen…Wir haben dann in rasender Geschwindigkeit die Heiße Ecke (damals noch mit dem Zusatz „24“ – weil es ja 24 Std. erzählt) geschrieben.Nach dem wir mit „Swinging St. Pauli“ vorher einen historischen Stoff geschrieben hatten, wollten wir nun ein modernes Stück mit Stadtteilbezug schaffen.

Mit 10 Jahren Spielzeit hat wohl keiner gerechnet, was ist das besondere an der Heissen Ecke, dass sie immer noch reges Publikumsinteresse auf sich zieht?

Es ist tatsächlich so, dass die Urbesetzung damals im „Anker“ Ecke Herbertstraße, auf die wohl erfolgloseste Produktion angestoßen haben, die sie je spielen werden. Das es dann doch nicht zum Desaster wurde, liegt sicher zum Großteil an der Spielfreude und Authentizität der Kollegen die dieses „Flagschiff“ über Jahre lebendig und frisch gehalten haben. Und an der Freiheit die uns „unser“ Theater lässt, immer wieder Dinge, Zeilen, Witze verändern zu dürfen. So hat sich die Heiße Ecke über die Jahre schleichend verändert aktualisiert und ist am Leben geblieben.

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©Alex Lipp

Es gibt u.a. 2 Darsteller, Kathi Damerow und Markus Richter, die seit der Premiere mit von der Partie sind. Für manche unvorstellbar, dass, nach so langer Zeit ihre Rollen noch frisch und spritzig rüberkommen. Kann man die beiden auch ein bisschen als, sagen wir elterlichen Beistand für neue Ensemblemitglieder bezeichnen?

Götz Fuhrmann, Yvonne Disque und Bernhard Hofmann sind auch vom ersten Tag an dabei. Elterlicher Beistand würde ja bedeuten, das einer über dem Anderen steht. Nein, Theater ist ein Manschaftssport. Natürlich fragt man gerne die, die schon viel Erfahrung haben gern nach ihrer Meinung. Aber im Grunde sind alle gleichwertig. Es ist wirklich wie in einer Familie, mit allen vor und Nachteilen, Krächen, Sorgen und Versöhnungen die das Familienleben so mit sich bringt. Die Heiße Ecke ist auch ein Ort, an den man gerne wieder zurück kommt. Viele Kollegen sind für eine Zeit in Anderen Engagements gewesen und zurück gekehrt. Oder haben Kinder bekommen und sind wieder da. Es gibt mittlerweile sogar Menschen die sich in der Heißen Ecke fürs Leben gefunden haben.

Sieht man sich in Deutschlands Musicallandschaft um, findet man im Moment mit Ausnahme des Webber’schen Eisenbahnzirkus im Pott und der Savanne im nachbarlichen Hafen kein anderes Stück, das vergleichsweise so viele Jahre En Suite gespielt wird. Woran liegt’s deiner Meinung nach?

Das richtige Stück, zur richtigen Zeit am Richtigen Ort. Ich glaube „Heiße Ecke“ hätte anderswo nie die Chance gehabt so lange durch zu halten. Dann wie gesagt, die Offenheit des Privat-Theaters, mit freieren Strukturen als die großen Musical-Konzerne. Vor allem die Liebe der Kollegen.

Mit dem Tivoli hat sich ja ein ideales zu Hause für das Stück gefunden. Gab es jemals Überlegungen das Stück zu transferieren und wo anders auf die Bühnen zu bringen?

Ernsthaft, als feste große Produktion haben wir das glaube ich nie in Erwägung gezogen. Eben weil das Stück die Kiez nähe braucht. Es ist ja durchaus in anderen Städten gespielt worden. Allerdings nie mit dem Erfolg wie in Hamburg. Ab und zu machen wir Abstecher, das ist dann wie Klassenfahrt.

Die Songs in der Heißen Ecke wurden eigens für das Stück komponiert, im Gegenteil dazu gibt es heutzutage ein Unmaß an Compilation- Shows. Ist es das, was das Publikum tatsächlich sehen will, oder wird hier mehr Augenmerk auf volle Kassen gelegt?

Es hat sicher finanzielle und marketingstrategische Vorteile sich an eine bereits etablierte Marke zu hängen. ABBA oder Queen muss man dem Publikum nicht erst erklären und nahe bringen. Man spart außerdem den Komponisten. Oder man stützt sich auf Filmtitel die schon bekannt sind. Bei diesen Produktionen liegen die Herausforderungen anders. Wie verwebt man eine erfundene Story glaubhaft und packend mit bestehenden Songs? Oder wie baut man neue Lieder sinnvoll in eine bestehende Handlung ein, ohne den Zuschauer zu weit von dem weg zu führen, was er kennt und liebt. Das gelingt mal mehr, mal weniger.

Du arbeitest auch als Übersetzer/ Texter für andere Stücke, so zum Beispiel für die deutschsprachige Erstaufführung von Natürlich Blond in Wien. Mit welchen Schwierigkeiten hat man bei der Umsetzung ins Deutsche zu kämpfen, wo liegen da deiner Meinung nach die Herausforderungen?

Deutsch ist allgemein eine Wort- und Silbenreichere Sprache als das Englische. Das macht es handwerklich manchmal schwierig den gleichen Sinn, Witz, Inhalt in einer begrenzten Anzahl von Silben/Noten zu erzählen. Kulturell muss man manchmal neue Bilder/ Metaphern finden.

Dinge vom einem in den anderen Kulturkreis übertragen, damit sie nachvollziehbar bleiben. Dabei aber peinlich genau auf Reimschemata, Betonung und Sprech- bzw. Singbarkeit achten.Respekt vor den Originalautoren haben und dafür kämpfen, dass die Übersetzung nicht ärmer wird als die Vorlage.

10 Jahre Erfolgsstory auf der Reeperbahn, whats next von Wohlgemuth und Co?

Ich hoffe es geht so weiter wie bisher. Es gibt mehrere Ideen für neue Stücke, einige konkrete Entwicklungen an denen wir momentan arbeiten. Ich spiele liebend gern weiterhin Heiße Ecke. Übersetze gerade, darf aber noch nix verraten.

Also?!:

Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geborgtes (in der Regel ein geklauter Witz), etwas Blaues (Zufriedenheit ist bei mir himmelblau), etwas von Herzen und eine gesunde Portion Wahnsinn.

 

Infos zum Stück: Schmidts Tivoli
Zur Website von: Heiko Wohlgemuth