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SONGS FOR A NEW WORLD, das Erstlingswerk von Jason Robert Brown, feierte im Wiener OFF-Theater seine österreichische Erstaufführung. Der Liederzyklus dreht sich um Menschen vor wichtigen Entscheidungen, dramatischen Wendungen, oder großen Veränderungen. In der Partitur finden sich Elemente aus Swing, Gospel, Funk und auch Rythm and Blues wieder. Die Kompositionen sind als technisch anspruchsvoll zu bezeichnen. Brown hat seinen harmonischen Bogen äußerst komplex konstruiert, was von Musikern und vor allem den Sängern einiges an Können abverlangt. Kommerziell gesehen war das Stück, welches am OFF-Broadway zur Aufführung kam, kein Erfolg, die Spielzeit begann am 11. Oktober 1995 und fand ihr frühes Ende am 5.November 1995. Dennoch erfreut sich das Werk, genauer gesagt einige seiner Lieder, großer Beliebtheit. Besonders Stars and Moon (Sterne und Mond) wird als erfolgreichste Komposition von Jason Robert Brown gehandelt und findet sich im Repertoire vieler Solokonzerte wieder.

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Die Zeiten in denen junge Talente auf die Gunst der Stunde warten mussten, scheinen langsam der Vergangenheit anzugehören. Wenn man ihnen keine Bühne gibt, dann schaffen sie sich eben selbst eine. Ein nicht gerade unriskantes Unterfangen, gehört doch wesentlich mehr dazu ein Stück auf die Bühne zu bringen als nur hübsch auszusehen oder schön singen zu können. Es erfordert ein Händchen für Organisation, Geschick in der Umsetzung und auch in der Kommunikation nach außen, man will ja schließlich nicht nach all den Anstrengungen vor leeren Rängen spielen. Lisa Greslehner und Philipp Dürnberger hatten im Sommer diesen Jahres die wagemutige Idee, Songs for a new World auf die Bühne zu bringen. Es wurden Ulrike Figgener und Konstantin Zander mit ins Boot geholt und sogleich Nägel mit Köpfen gemacht. Die Früchte ihrer Arbeit durften bei der Premiere am 07.12.2013 geerntet werden.

OFF-Musical ist so eine Sache für sich, manche Themen lassen sich schwer ins europäische Kulturgefüge einbringen, andere bieten ein realtiv seichtes musikalisches Muster das kaum wen um diese Jahreszeit von der Couch weglockt. Songs for a new World war diesbezüglich eine kluge und auch spannende Wahl, aber nicht unbedingt eine einfache. Wie eingangs bereits erwähnt verlangt Jason Robert Brown einiges von den Künstlern ab. Abgesehen von der Wandlungsfähigkeit, dem blitzschnellen Umschalten zwischen verschiedensten Charaktären, benötigen die Sänger auch einen ordentlichen Stimmumfang um den Kompositionen Leben einzuhauchen. Das OFF-Theater bietet einen idealen Rahmen für die Umsetzung von Werken wie diesem. Mit einfachen Hilfsmitteln und wenig Requisite werden die Zuseher auf die Reise mitgenommen, weniger kann oft auch mehr sein. Projektionen auf der Rückwand der Bühne etwa waren eine nette Idee, der Text zwar ob der schattenwerfenden Darsteller teilweise kaum zu lesen, aber wen interessiert denn schon der Text, wenn da vier junge Künstler auf der Bühne ein Unmaß an Feuer und Leidenschaft versprühen. Musical hat sehr viel mit Gefühl zu tun. Natürlich lieben es die Zuseher wenn Kronleuchter auf die Bühne knallen, Vampire oder gar Kindermädchen durchs Theater fliegen, aber noch mehr mag es das Publikum, wenn es berührt wird von dem was Musical eigentlich ausmacht, von der Musik. Darum geht es doch, oder nicht?

Anfängliche Nervosität war schnell verflogen, stimmlich harmonierten die Vier auf sehr hohem Niveau, lediglich Dürnberger war in manchen Passagen im Vergleich zu seinen Bühnenkollegen etwas zu laut, was der Harmonie ein wenig die Spannung raubte. Kaum war das Stück auf Kurs gebracht, setzte Lisa Greslehner gleich den ersten Höhepunkt des Abends. Als betrogene Ehefrau steht sie am Abgrund, bereit zum Sprung. Ihr komödiantisches Timing sitzt, das Publikum kann sich ob der Darbietung kaum halten, auch wenn die Thematik alles andere als unterhaltsam ist, sieht diese Frau doch im Freitod die einzige Möglichkeit endlich erhöhrt zu werden. Wer Greslehner ihrer Hysterie Ausdruck verleihen sieht, kann sich zumindest ein Grinsen nicht verkneifen. Noch einen drauf setzt sie, wenn sie als Gattin des Weihnachtsmannes mit französischem Akzent darüber sinniert wie sinnlos ihre Beziehung doch ist, sogar Rudolph mehr Aufmerksamkeit als sie bekommt und sie dieser frustran verlaufenden Beziehung ein Ende setzten will. Da kann man nicht mehr anders als herzhaft über dieses naive Wesen zu lachen. Greslehner scheint das Rollenbild der vernachlässigten frustrierten Frau geradezu gepachtet zu haben, sie kann aber auch anders. Ruhige Momente scheinen ihr ebenso zu liegen, sie reguliert Tempo und Dynamik derart geschickt, dass man kaum davon genug bekommen kann. Die zweite Frau in der Runde, Ulrike Figgener nach „Wenn Rosenblätter Fallen“ keine Unbekannte im OFF-Theater, präsentiert sich ebenfalls in Sangeslaune. Ihre Stimme wirkt im Vergleich zu Greslehner wie ein Rohdiamant mit Ecken und Kanten, die ihr einen Touch an Jugendlichkeit und manches Mal sogar Unschuldigkeit verleihen, eine Wirkung die durch ihr Aussehen noch zusätzlich verstärkt wird.

Weder unschuldig im Aussehen noch im Auftreten präsentiert sich Konstantin Zander. Er philosophiert mit süffisanter Miene über die Macht der Frau und deren Tränen, reduziert sein Spiel dabei auf das Wesentliche, ihm genügt das Hochziehen einer Augenbraue, um den Saal in schallendes Gelächter zu tauchen. Gesanglich steht er den Damen des Abends um nichts nach, technisch mehr als versiert und mit charmantem Timbre versehen lässt Zander seine Stimme mit Leichtigkeit durch die anspruchsvolle Partitur gleiten.

Eben diese Leichtigkeit scheint dem Vierten im Bunde, Philipp Dürnberger, ein wenig zu fehlen, er benötigte einen Tick länger als alle anderen um seine Stimme in der Show zu positionieren, den Belag einmal von den Stimmbändern gesungen klappte es dann aber für den Rest des Stückes einwandfrei. Frenetischer Applaus beendete einen Abend der Lust auf mehr macht. Frische Gesichter auf der Musicalbühne, die für das Genre wahrlich brennen.

Das OFF-Theater bietet OFF-Musical, das mit viel Leidenschaft und dem Willen etwas zu bewegen von vier jungen Künstlern auf die Beine gestellt wurde. Sie haben damit bewiesen, dass Musical auch fernab von Klunker und Kommerz funktionieren und begeistern kann. Wenn man den Jungen keine Bühne gibt, dann nehmen sie sich diese eben selbst, wer sich davon überzeugen möchte, am 18.12.2013 findet eine Zusatzvorstellung statt, alle anderen Termine sind bereits restlos ausverkauft.

Abschließend fand sich noch Zeit mit Lisa Greslehner über die Entstehung des Projekts zu sprechen.

G.: Die Premiere ist geschafft, erleichtert, zufrieden?
L.G.: Sehr erleichtert. Wir sind sehr zufrieden, so eine Premiere und die Reaktion des Publikums sind das Schönste was uns passieren konnte. Jetzt fällt der ganze Druck ab, eigentlich können wir noch nicht glauben, dass wir das ganze Projekt wirklich durchgezogen haben.

G.: Wie kam es eigentlich zu der Idee, Songs for a new World in Wien auf die Bühne zu bringen und warum gerade dieses Stück?
L.G.: Die Idee kam Philipp (Dürnberger, Anm. des Autors) und mir im Sommer. Wir sind auf einer Holzbank gesessen und haben über den Job herum diskutiert und wie ja die meisten Musicaldarsteller wissen, ist es ja kein Honiglecken einen Job zu ergattern. Also dachten wir uns wenn uns jetzt gerade kein Job will, dann schaffen wir uns doch einen eigenen und bringen ein Stück auf die Bühne das es noch nie gab. Eigentlich war gleich unsere erste Idee Songs for a new World, da wir das Thema des Stückes genial finden. Mit jeder kleinsten Entscheidung kann sich alles verändern. Mit einem Schritt nur kannst du in eine neue Welt treten und das Alte hinter dir lassen, du musst es nur tun! Ja und die geniale Musik von Jason Robert Brown hat es uns sowieso angetan, wie raffiniert der alles komponiert hat, wir perfekt crazy jede Note gesetzt ist. Der Mann ist ein Genie. Wir wussten sofort, dass wir Ulrike Figgener dabei haben wollten, ich kannte Konstantin Zander von früheren Projekten und es war klar er muss auch dabei sein.
Und dann haben wir uns Anfang Oktober an die Organisation gemacht. Wir haben wirklich von A-Z alles selbst organisiert und es hat sich gelohnt.  Am 9. November hatten wir unsere erste gemeinsame musikalische Probe mit Ronald Sedlaczek und seinen tollen Musikern, dann gings zack zack, wir haben Caroline Frank gefunden oder sie uns. Sie hat neben unserer gesanglichen und spielerischen Darbietung durch ihre genialen Ideen das Stück zu dem gemacht was es ist!

G.: Die Vorstellungen sind ja so gut wie ausverkauft, sind weitere Termine in Planung?
L.G.: Da die ersten 3 Vorstellungen ausverkauft sind, haben wir am 18. Dezember noch eine Zusatzvorstellung. Schnell Karten besorgen! Im neuen Jahr sind andere Spiellocations in Planung, aber das bleibt noch unser Geheimnis.

G.: Weil ja Weihnachten mit großen Schritten näher kommt, die Frage aller Fragen: Gibts ein Lieblingsweihnachtslied und wenn ja, welches?
L.G.: Mein Lieblingsweihnachtslied ist ganz cheesy aber es ist All i want for Christmas von Mariah Carey (lacht) jetzt verdrehn wahrscheinlich viele die Augen.

v.l.n.r.Philipp Dürnberger, Lisa Greslehner,Ulrike Figgener, Konstantin Zander

v.l.n.r.Philipp Dürnberger, Lisa Greslehner,Ulrike Figgener, Konstantin Zander

Infos zum Stück auf : www.facebook.com
Karten gibts unter: ichwillkarten@gmail.com
Wer den Vieren finanziell unter die Arme greifen möchte kann das hier tun: www.startnext.de

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MAMMA MIA! Cast Präsentation in Wien

Veröffentlicht: November 29, 2013 in Allerlei, Neues, Uncategorized, VBW, Wien

Die Volksgarten Diskothek hat Vielen schon unvergessliche Nächte im Partyleben Wiens beschert, vorausgesetzt, man schaffte es an den Türstehern vorbei, die als die penibelsten der Stadt gehandelt werden. Diese Problematik blieb den aufgrund der Kälte nach innen stürmenden Medienvertretern des Landes jedoch erspart, denn die Clubdisco wurde als Schauplatz der Cast Präsentation zu MAMMA MIA! gewählt.

ANA MILVA GOMES

ANA MILVA GOMES

Ein sichtlich gut gelaunter Christian Struppeck betrat die kleine Bühne, um nach einer kurzen Einführung zum Stück und dessen Erfolg die Wiener Cast zu präsentieren. Jeder der Darsteller durfte ein paar Worte von sich geben, ehe ANA MILVA GOMES (Donna) zum Mikro griff und ihr, laut eigenen Angaben, persönliches Lieblingslied aus der Show „DER SIEGER HAT DIE WAHL“ zum Besten gab. Nicht fehlen durfte im Anschluss „DANCING QUEEN“, unterstützt wurde ANA MILVA GOMES dabei von JAQUELINE BRAUN (Rosie) und SUSA MEYER ( Tanja).

SUSA MEYER,ANA MILVA GOMES, JAQUELINE BRAUN

SUSA MEYER, ANA MILVA GOMES, JAQUELINE BRAUN

Dass die Musik von ABBA Spaß macht ist ja nichts Neues, nicht ohne Grund wurde die Musical-Verfilmung des Stoffes zur Erfolgreichsten aller Zeiten. Musik macht aber vor allem dann Spaß, wenn sie live ist und von einem kompetenten Orchester wiedergegeben wird. Hierzu finden sich in der Pressemappe leider kaum Informationen. Erinnern wir uns an die Pressekonferenz zum Spielplan 2013/14, dort wurde Intendant Struppeck zur Größe des Orchesters befragt (nachzulesen hier). Seiner Antwort war zu entnehmen, dass man sich um die „große“ Besetzung bemühen werde. Was denn aber nun eine große Besetzung ist, wurde leider nicht erläutert. In der aktuellen Pressemappe zur Produktion geht lediglich hervor, dass das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter der musikalischen Leitung von Herbert Pichler spielen wird, nichts aber über die Größe des Orchesters, wobei gerade dieser Punkt besonders spannend wäre. Just am Tag der Pressekonferenz zu MAMMA MIA! wurde den VBW die von Generaldirektor Drozda geforderte Erhöhung der Subventionen gewährt. Die Wogen im heimischen Kunstsektor gehen verständlicherweise in die Höhe. Viele kleine Bühnen kämpfen ums Überleben, freuen sich über jeden zusätzlichen Cent und müssen mitansehen, wie den Forderungen des Big Players Folge geleistet wird, auch wenn dieser, etwa mit NATÜRLICH BLOND, alles andere als einen Publikumshit generieren konnte. Leider gab es dieses Mal, anders als sonst, nicht die Möglichkeit, vor versammelten Medienvertretern Fragen an den Herrn Intendanten zu stellen. Spätestens ab 19. März 2014 wird sich zeigen, wieviele Musiker tatsächlich im Orchestergraben Platz nehmen werden und ob der Dirigent, wie auch bei anderen MAMMA MIA! Produktionen üblich, am Keyboard Platz nehmen wird, oder ob Wien ein Novum bietet und den Dirigenten wirklich Dirigent sein lässt, wie das auch bei SISTER ACT der Fall war.

Die Premiere wird am 19. März über die Bühne gehen, MAMMA MIA! in Wien ist eine Kooperation von STAGE ENTERTAINMENT und den VEREINIGTEN BÜHNEN WIEN.

CAST:

Ensemble:
Gregory Antemes, Janine Buck, Carmen Danen, Raphael Dörr, Julia Edtmeier, Caroline Frank, Ivo Giacomozzi, Tim Hüning, Jan-Eike Majert, Robert Marx, Susanne Panzner, Richard Patrocinio, Raphaela Pekovsek, Kai Peterson, Isabella Prühs, Carolin Schönemann, Franziska Schuster, Benjamin Sommerfeld, Niran Straub, Ronnie Vero Wagner, Salka Weber.

Es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter der musikalischen Leitung von Herbert Pichler.

Premie: 19. März 2014 Raimund Theater Wien

Spieltermine:

Dienstag: 18:30 Uhr
Mittwoch bis Samstag: 19:30 Uhr
Samstag: 15 Uhr
Sonntag: 18 Uhr

Infos zum Stück und zum Ticketverkauf: www.vbw.at

Weitere Bilder zur Pressekonferenz: www.facebook/ganeider.com

Die alte Dame und die VBW!

Veröffentlicht: April 28, 2013 in Neues, Skuriles, Theater, Uncategorized, Wien

 Die Vereinigten Bühnen Wien sorgen weiterhin für Schlagzeilen. Laut einem Artikel in diePresse.at will Generaldirektor Drozda demnächst, laut seinen Angaben (es gilt die Unschuldsvermutung) über das erfolgreichste Jahr der VBW International berichten. Klingt an sich spannend, wäre da nicht die Causa REBECCA. Zu gerne hätte man seitens der VBW die Eigenproduktion aus der Feder des Erfolgsduos Levay/Kunze am Mekka des Musicals, sprich dem Broadway gesehen, geworden ist leider nichts daraus. Unglückliche Umstände, wie etwa erfundene Investoren tragen die Schuld für das nicht Zustandekommen der Broadway Produktion. Den VBW lag viel daran, ihr Werk am US-Markt zu etablieren, was auch verständlich macht, warum 380.000€ mal eben so als, sagen wir Obolus, über den großen Teich geschickt wurden. Laut Kontrollamtsbericht sind besagte 380.000 € im Jänner 2012 in die USA überwiesen worden, kamen aber quasi postwendend wieder zurück, woraufhin die VBW eine erneute Überweisung tätigten. Wenn dieser Fauxpas tatsächlich so stattgefunden haben soll (es steht immerhin im Kontrollamtsbericht), muss man den Verantwortlichen in Zukunft genauer auf die Finger schauen, denn die besagte Summe ist auf gut österreichisch mittlerweile „futsch“. Auch wenn darauf hingewiesen wird, dass man sich die Rechte auf Übersetzung und Requisiten gesichert haben soll, handelt es sich um Geld aus dem Subventionstopf, welches augenscheinlich verprasst wurde. Früher wäre ein solches Missgeschick ein gefundenes Fressen für DIE GRÜNEN gewesen, haben sie sich doch immer vehement gegen die VBW und das Musical per se ausgesprochen. Als großes schwarzes Loch, oder auch Sorgenkind der Wiener Kulturpolitik haben sie das Musical und die VBW tituliert. Jetzt sieht freilich alles anders aus. 2010 wurde etwa der fehlende weite Horizont bekrittelt, der es verhindert, kreative Tätigkeiten zu fördern. Da fällt mir spontan die Probebühne des Ronacher ein, welche an sich mal für Umsetzungen kreativer Ideen angedacht worden wäre, selten fanden dort Produktionen statt, von einer kontinuierlichen Betreibung jedoch weit entfernt, anstatt dessen durfte die alte Dame ihre ersten Schritte dort unternehmen, um dann in Thun glanzvoll zu erstrahlen. Zweckentfremdung? Ach, woher, der Intendant darf, in seinem Haus ja machen, was er will. Jetzt sitzen sie still und stumm da, die Grünen und bekennen sich des Weiteren dazu, früher Blödsinn geredet zu haben, denn die VBW sind ja eh erfolgreich! Nun ja, die Rebecca Euros sind in der Tat erfolgreich dahin, während Drozda behauptet, neue Investoren für den Broadwaygang gefunden zu haben, hat man sich in New York bereits im Oktober letzten Jahres über das Drama- (mit dem) Musical die Mäuler zerfetzt.(siehe hier: theatertalk mit Michael Riedel ab min. 7:53) Das kratzt natürlich am Image der Vereinigten Bühnen, wenn zumal der bislang einzige Transfer die äusserst fragwürdige Version von Tanz der Vampire war, welche, auch das ist bekannt, dermaßen verhunzt wurde, dass man am Broadway immer noch darüber lacht und Witze macht, wenn auch die Schuld dafür eindeutig bei wem Anderen dafür zu suchen ist. Nichtsdestotrotz sollen wir laut einem Interview von Herrn Struppeck dennoch einen guten Ruf in New York haben. (zum Interview von: derstandard.at)

Anstatt Energien und Geld in Produktionen im Ausland zu verschleudern, sollten Drozda und CO. lieber versuchen, den Markt, vor allem in Österreich wieder zu stabilisieren. Natürlich Blond und das kann man mittlerweile mit Gewissheit behaupten, ist leider weit hinter den Erwartungen geblieben. Gewiss, es handelt sich hier um ein relativ seicht plüschiges Produkt, dessen Zielpublikum nicht gerade zum Kaufkräftigsten zählt. Aber auch ein gut beworbenes Furzkissen kann sich als Verkaufsschlager entpuppen. Die PR-Abteilung der VBW hat allem Anschein nach, zu viel Zeit im Winterschlaf verbracht und eben dies verpasst! Ganz Wien wurde zwar rosa zuplakatiert und Autos mit dem Natürlich Blond Branding drauf, kurvten durch die Stadt! Aber gab es wochenlang keinerlei Promo-Auftritte, Autogrammstunden und dergl. Jetzt erst, als niemand mehr leugnen kann, das Struppeck mit der Wahl des Stückes gescheitert ist, finden dererlei Aktionen statt, und auch die muss man äußerst kritisch betrachten.

Es ist gut und schlau eine Showeinlage in einer derart für hohe Einschaltquoten sorgenden Sendung wie DANCING STARS (hier das Video)zu bringen. Das Stück beinhaltet schmissige Nummern, die sich anbieten würden, Beispiele hierfür gibt’s zu Genüge von Produktionen aus den USA oder England. Aber nein, man entscheidet sich für ein Lied, welches (wenn überhaupt) nur im Stück zu Geltung kommt, singulär aber komplett sinnfrei wirkt, ferner nur mit schlechtem Playback überzeugen kann und eher an einen Auftritt der Showtanzgruppe Hintertupfing erinnert anstatt an eine hochkarätige Musicalproduktion. Die Sendezeit und das Format waren viel versprechend, das Ergebnis wohl nur mittelmäßig, wenn überhaupt. Barbara Obermeier hat eine sehr ausdrucksstarke Stimme, mit der es sich lohnen könnte zu werben, doch mehr als breites Grinsen war nicht drinn. Vielleicht lernt man bis zum nächsten TV-Auftritt, der bei Carmen Nebel in Klagenfurt stattfinden wird, ja was dazu in puncto Kundenanwerbung.

Egal, welch grandiose Marketingideen zur Umsetzung bereitliegen, Natürlich Blond ist in Wien nicht angekommen, die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Es besteht Handlungsbedarf. Der Ruf nach einer innovativen Eigenproduktion ist groß und es wird ja immer wieder darauf beharrt, dass man so einiges in der Lade habe. Aber was? Innovativ war Struppeck bisher nicht wirklich und wird es weiterhin nicht sein, zumindest nicht, was das Thema Eigenproduktionen anbelangt. Es wurde viel gemunkelt und vermutet, jetzt ist es raus, die nächste Produktion der VBW wird die Musicaladaption von Dürrenmatts (ohne Deppenapostroph) DER BESUCH DER ALTEN DAME werden. Kein großes Geheimnis, nachdem ja bereits während des Workshops auf der Probebühne des Ronacher darüber spekuliert wurde. Traurig aber, dass nicht eine Pressekonferenz, sondern die Ausschreibung zu den Auditions  für die Bekanntmachung des neuen Projektes verantwortlich ist. Ein Fauxpas in der innerbetrieblichen Kommunikation vielleicht, wer weis.

Dürrenmatts Geschichte ist durchaus bekannter als jene der blonden Harvard Absolventin Elle Woods. Bereits im Schulunterricht durfte Bekanntschaft mit der alten Dame gemacht werden. Es gibt eine Vielzahl Verfilmungen und auch in diversen Theatern wird es immer wieder gerne in den Spielplan aufgenommen. Auch gab es bereits eine Musicaladaption des Stoffes unter dem Titel THE VISIT von John Kander und Fred Ebb, welche zwar nicht den geplanten Sprung an den Broadway geschafft hat, aber trotzdem auf sich aufmerksam machen konnte.

Also gibt’s für Wien wieder mal nix neues. Der Besuch der alten Dame wird seine Welturaufführung bei den Thuner Seespielen erleben und anschließend nach Wien übersiedeln. Struppeck als Intendant bringt zwar ein neues, aber kein selbst entwickeltes Stück nach Wien, wobei das Buch zum Stück von ihm stammt und die Workshop-Sessions durften auch in einem von ihm geleiteten Theater in Wien stattfinden. Aber … egal.

Für Thun hat sich eine beachtliche Besetzung finden lassen, allen voran Pia Douwes als Claire Zachanassian und Uwe Kröger als Alfred Ill. Sollte es den Verantwortlichen gelingen, die beiden Musicallichtgestalten aus früheren Glanztagen für Wien zu gewinnen, steht einem vollen Haus nichts mehr im Wege und der Titel bekommt dadurch eine nette Zweideutigkeit am Rande hinzugefügt. Aber noch ist es nicht soweit, bis auf Weiteres bleibt das rosablonde Malum Prohibitum im Ronacher bestehen und wurschtelt sich mehr schlecht als recht mal bis zu Sommerpause und wahrscheinlich sogar bis Ende des Jahres durch. Als Draufgabe erscheint demnächst die Natürlich Blond Cast CD (Hitsquad) als Gesamtaufnahme, ein Tropfen auf den heißen Stein, aber mit Sicherheit zur Freude der Blondianer.(oder wie ist die konkrete Bezeichnung für Phans dieser Show?)

Intendant Struppeck kauft also weiter freudigst ein, bleibt zu hoffen, dass die alte Dame durch die Adaption nichts von ihrem Zauber verliert und Dürrenmatt nicht dazu bringt, sich im Grabe umzudrehen.

Link zur Thuner Produktion mit allen Infos zum und rund um das Stück: www.thunerseespiele.ch

Der Deppenapostroph genau erläutert: deppenapostroph.de

Die Broadway Rebecca: www.rebeccathemusical.com

Michael Riedel New York Post: www.nypost.com/columnists/michaelriedel