Musical-Unplugged zu Gast in Petronell-Carnuntum

Veröffentlicht: September 1, 2013 in Allerlei, Künstler, Konzerte, Sommerfestspiele

Schon mal was von Petronell- Carnuntum gehört? Nein? Östlich von Wien liegt die Marktgemeinde, welche  Österreichs größtes Römermuseum beherbergt, die Einheimischen schwören auf den hiesigen Weinanbau, einladende Heurigen und schmackhafte Hausmannskost aus dem Gebiet. Das ist aber noch nicht alles, gibt es da noch das Amphitheater Petronell-Carnuntum. Eine stimmige und wetterfeste Location für Konzerte an lauen Sommerabenden und heuer erstmals Herberge für die Konzertreihe Musical-Unplugged. Wer in letzter Zeit einer von diversen sogenannten Musical Galas beiwohnen durfte, bekam es oft mit zweifelhaften Interpretationen, schiefen Tönen, massenhaft Glitzer und Selbstbeweihräucherung, aber weniger mit wahrem Musicalgut zu tun.Zu oft standen sich selbstüberschätzende Künstler und die zweifelhafte Liedauswahl im Vordergrund, das Wesentliche, die Musik an sich blieb da im Hintertreffen.

 Anders bei Musical-Unplugged. Der Dresscode ist simpel, schwarzes Hemd zu schwarzer Hose, elegant ohne aufdringlich zu wirken. Auf Kulissen wird ebenso verzichtet wie auf nichtsaussagende Anmoderationen oder zusammengereimte Memoiren aus Kindertagen. Hier geht es um die Musik, um das, was Musical so besonders macht. Lieder die einen berühren, gesungen von Künstlern die auch in der Lage dazu sind aus ein paar Noten eine Geschichte zum Leben zu erwecken. Ebendiese Mischung an Sängern  hat Schützenhofer gefunden und mit ins Amphitheater gebracht.

Am ersten Abend hatten die Darsteller die Möglichkeit solistisch mit ihrem Können aufzuzeigen, die Gruppe auf der Bühne schaffte es eine Authentizität zu kreieren, die an manch anderem Ort bereits beim Betreten des Saales fluchtartig von einem weicht. Etwaige Textunsicherheiten haben in keinster Weise gestört, sondern den Charme des Gesamtkonstruktes noch ein wenig mehr aufgewertet. Dargeboten wurden Lieder aus diversen allgemein bekannten Musicals, vom Klavier erklang ein Vielfaches mehr als das. Florian C. Reithner ist wohl der personifizierte Alptraum jedes Möchtegern Musicalstars. Zu gern hält er dem Genre den Spiegel vor, verfeinert die Partituren mit musikalischen Anekdoten anderer zumeist sehr bekannter, wenn nicht gar berühmter Kompositionen aus verschiedensten Sparten. Geschickt verpackt ergibt dies ein amüsantes Ratespiel und verweist auf eigentlich unübersehbare Parallelen hin. Wer als Sänger sein Handwerk nicht versteht oder es gewohnt ist jedes Mal zum selben stupiden Click Track zu singen, wird es mit Reithner bedeutend schwer haben, denn der vertieft sich nur all zu gern in sein Spiel, verfeinert manch abgedroschene Musicalnummer mit vorhin erwähnten Nuancen und verleiht dem Ganzen damit zusätzlich eine besondere Note. Seine Finger fliegen quasi über die Tasten und hätte Reithner GoPros über seinen Händen, würde dies mit Sicherheit interessantes Filmmaterial ergeben. Die Protagonisten des Abends wussten allesamt mit ihrem Handwerk umzugehen und es in feinster Art und Weise zu präsentieren. Egal ob Musical-Unplugged Inventar Jakob Semotan, die neu dazugestoßenen Ricardo Greco und Rory Six, Allround-Talent Martin Pasching oder der holländische Vokalkünstler Luv Devens, sie haben mit Reithners Zutun einen unvergesslichen Abend fern ab von Wien kreiert.

©Martin Hofbauer

©Martin Hofbauer

 Musical-Unplugged die Zweite.

Statt Martin Pasching stand an diesem Abend Schützenhofer selbst auf der Bühne. Die Sänger wussten von Beginn an zu gefallen, ebenso Reithner, der wie am Abend zuvor unter Zuhilfenahme seines Klaviers ein musikalisches Kreuzworträtsel aus dem Ärmel zauberte. Ricardo Greco und Rory Six haben mit ihrer Interpretation von TOT ZU SEIN IST KOMISCH (Tanz der Vampire) einen komödiantischen Höhepunkt des Abends erschaffen, keine Doppeldeutigkeit, und sei sie auch nur im Ansatz vorhanden gewesen, haben die beiden ausgelassen und dadurch eine äußerst anrüchige Performance abgegeben, ohne das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Woran viele Darstellerinnen zuvor kläglich gescheitert sind, erschien bei den beiden Herren, als wäre es ein Kinderspiel. Ebenfalls ein Fest fürs Ohr das Frauenterzett WER KANN SCHON OHNE LIEBE SEIN (3 Musketiere). Grecos Stimme ist auch in den Höhen sattelfest und glasklar, Six legt unheimlich viel Pathos in seinen Gesang und Semotan rundet mit seiner warmen Stimme das Hörerlebnis zusätzlich noch ab. Ohne Kostüme, Kulisse oder großes Orchester wurde Musical in Reinform dargeboten. Ihre Stimmen haben sich nicht duelliert, keiner wollte den Anderen übertreffen oder sich in den Vordergrund stellen, es wurde nicht nur gemeinsam, sondern miteinander gesungen, das Lied und die zu erzählenden Geschichten mit Leben gefüllt.

©Martin Hofbauer

©Martin Hofbauer

Unbedingt erwähnenswert und mittlerweile ein Fixpunkt im Musical-Unplugged Programm, das Duell-Duett von Schützenhofer und Semotan. Der Mix aus mehreren Musicalsongs gespickt mit einer Unmenge an Doppeldeutigkeiten und dem Spiel miteinander ist ein erfolgreicher Angriff auf die Lachmuskeln der Zuseher, während Schützenhofer äußerst homophil Semotans Nähe sucht, zieht dieser ohne jegliche Hemmung über seinen Duettpartner her.

Überboten wurde die Schützenhofer/Semotansche Hass-Liebesbekundung aber diesmal durch eine nicht ganz so geplante Aktion. Während Luc Devens GETHSEMANE (Jesus Christ Superstar) trällerte, hatte Reithner mit seinen Noten zu kämpfen, welche sich in der Mitte des Liedes nicht und nicht umblättern ließen. Reithner war somit zum Improvisieren gezwungen und derart begeistert davon, dass er nach Beendigung des Liedes die dazugehörigen Noten vor aller Augen in mehrere Teile zerrissen hat. Ein Bild gewordener Ausdruck von Reithners divergierender Beziehung zum Musical.

Abseits der großen Musicalbühnen des Landes, vor den Toren Wiens, ist es Schützenhofer mit Hilfe von begnadeten Sängern und einem Virtuosen am Klavier geglückt, dem Genre mit einer gehörigen Portion Humor Nachhaltigkeit zu verschaffen, ohne jedoch das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Musical kann mehr als nur bunt, schrill und dämlich sein. Die Lieder erzählen Geschichten, vermitteln Emotionen, sollen den Zuseher erreichen und fesseln, ihn mitnehmen auf eine Reise. Dazu gehört mehr als aufwendiges Bühnenbild, glitzernde Kostüme oder große Namen auf Plakaten, es benötigt vor allem Herz, denn letzen Endes geht es ums Gefühl, dies zu vermitteln ist eine Kunst, die manchen einfach nicht gegeben scheint.

Kunst gibt nichts Sichtbares wieder, Kunst macht sichtbar. (Paul Klee)

Die Homepage zu Musical-Unplugged:  www.musical-unplugged.at

Musical-Unplugged auf facebook.com

Musical-Unplugged auf youtube.com

Infos zum Veranstaltungsort: www.culturcarnuntum.at

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