Archiv für die Kategorie ‘Neues’

Die Premiere der österreichischen Erstaufführung von Andrew Lloyd Webbers Musical sorgte bereits im Vorfeld für reges mediales Interesse. Dagmar Koller musste krankheitsbedingt ihr Engagement in der Heimat absagen. Also, kein Besuch der Grande Dame am See. Neben ihr fehlt des Weiteren auch Hardy Rudolz (Max von Mayerling), er musste ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen der Premiere fern bleiben, wird aber anscheinend zu einem späteren Zeitpunkt in die Produktion einsteigen.

Bildschirmfoto 2013-03-31 um 22.17.22Prominente Vertretung wurde alsbald gefunden. Susan Rigvava-Dumas gibt anstelle von Dagmar Koller die gefallene Diva Norma Desmond, würdiger Ersatz, wenn auch nicht ansatzweise mit derselben Medien anziehenden Popularität versehen. Anders sieht es bei Hardy Rudolz „Ersatzmann“ aus. Kein Geringerer als Harald Serafin, auch bekannt als Mr. Wunderbar erweist Klagenfurt mit seinen doch 81 Jahren die Ehre.
Intendant Florian Scholz präsentiert die erste Musicalproduktion nach der Ära Köpplinger und möchte natürlich die Gunst des Publikums erhaschen.
Vieles ist neu im Kärntnerland, der Optimismus der politischen Neuorientierung ist an jeder Ecke zu spüren, so auch im Theater. Die neue Landesregierung wurde am Premierenabend beim Betreten ihrer Loge mit Applaus empfangen und präsentierte sich dem Publikum mit stolz geschwellter Brust. Eine Szenerie, die den Gepflogenheiten des britischen Empires nahe kam. Es bleibt den Kärntnern zu wünschen, dass die Erwartungen einigermaßen erfüllt werden und die Regierung auch weiterhin noch auf so wohlwollende Resonanzen von Seiten der Bevölkerung hoffen kann.
Etwas zögerlicher verhielt sich das Publikum im Bezug auf das gezeigte Produkt. Regisseur Patrick Schlösser, unverkennbar vom Sprechtheater kommend, inszeniert eine Geschichte in der Geschichte und verlangt vom Publikum von Beginn an vollste Aufmerksamkeit. Wer mit der Handlung nicht allzu vertraut ist, (es empfiehlt sich, das Programmheft vor Beginn der Vorstellung genauestens zu studieren) kann durchaus ins Strudeln kommen. Ähnliches passiert auch bei den Ensemblenummern, wenn man versucht, die Gesangssolisten ausfindig zu machen. Es findet derart viel Bewegung statt, dass es an manchen Stellen zu überladen rüberkommt. Wer die Originalversion kennt wird überrascht sein, aber ja, es wird getanzt in der Klagenfurter Inszenierung und das nicht zu wenig. Michael Langeneckert ist verantwortlich für die mal mehr mal weniger choreografierten Tanznummern, zumeist regiert aber die Improvisation. Das gleicht manchmal einem Chaos, stehen doch plötzlich weniger begabte Tänzer im Vordergrund, während sich die geschmeidiger Bewegenden im Hintergrund aufhalten müssen. Besonders wenn an allen Ecken und Enden der Bühne improvisiert wird, wünscht man sich mehr choreografische Handschrift und weniger freie Gestaltung, da dies so mancher Szene einiges an Stimmung und Drive nimmt oder überhaupt den Fokus zu sehr auf sich zieht und die Hauptprotagonisten, welche die Handlung vorantreiben sollen, ins Abseits drängen. Voranzutreiben versucht auch der musikalische Leiter Mitsugu Hoshino das Kärntner Sinfonieorchester, doch wollen die Damen und Herren dem Taktschwung des Japaners wenig Folge leisten. Zeitweise gleichen instrumentale Übergänge einem lang gezogenen Kaugummi. Der Klangkörper arbeitet solide, jedoch ohne großartig zu glänzen. Große Gefühle entstehen nur auf der Bühne, die Musik knallt einem teilweise laut um die Ohren. Im Orchestergraben scheint ein Kampf zu toben welches Register es denn schaffe, sich als Kräftigstes hervorzuheben. Begriffe wie Piano, Pianissimo und Co., welche vom Komponisten bedacht und mit Absicht in der Partitur gesetzt wurden, scheinen ignoriert zu werden, was der an sich glanzvollen Partitur einiges an Zauber raubt.
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Wenn man dann noch mit, sagen wir, nur einem Stimmchen, statt mit einer kräftigen Stimme ausgestattet ist wie etwa Elisabeth Hübert (Betty Schäfer), geht man in den Klangeswogen eben unter. Hübert erweisst sich generell als eher blass, stimmlich kann sie nicht mithalten und schauspielerisch agiert sie ohne Gefühl. Ihr gegenüber steht David Arnsperger als eher untypischer Joe Gillis. Er ist nicht der gestriegelte Schnösel, sondern eher ein harter voller Ironie strotzend und sich selbst Suchender, der den Glauben an Hollywood zwar noch nicht aufgegeben hat, dem die Scheinwelt aber langsam überdrüssig wird. Es ist ein Genuss Arnsperger singen, spielen und auch tanzen zu sehen, jedoch sind Dumas und Hübert keine idealen Partnerinnen für ihn. Während Hübert neben ihm ins Hintertreffen gerät, macht es in den Szenen mit Dumas den Eindruck als sei er für sie kaum anwesend, ist sie doch zu sehr auf ihr eigenes Spiel fixiert und reagiert kaum auf Arnspergers Handeln. Lediglich in ihren Duetten scheint sie ihm ansatzweise Raum zu geben und mit ihm zu singen.
Das Highlight des Abends ist eindeutig Arnspergers Sunset Boulevard zu Beginn des zweiten Aktes. Alles was das Herz begehrt, findet sich in seiner Performance wieder. Die Stimme vermag den Raum für sich einzunehmen und hält den lauten Orchesterklängen ohne Probleme stand. Auch in den Duetten weiß Arnsperger zu glänzen, geht auf seine Gegenüber ein auch wenn diese das nicht tun oder nicht mithalten können, stellt sich nie zu sehr in den Vordergrund, sondern agiert szenendienlich ohne dabei in den Schatten gestellt zu werden. Selbst seine etwas fragwürdig inszenierte Todesszene, was die Regie sich hierbei gedacht hat kann man beim besten Willen nicht erahnen, lässt er nicht ins Lächerliche entgleiten, sondern behält Dynamik, Spannung und Fokus auf dem eigentlichen Konsens des Geschehens.
Ähnliches kann man von Susan Rigvava-Dumas leider nicht behaupten. Seit ihrer Verkörperung der Mrs. Danvers in der Wiener Inszenierung von REBECCA ist sie dem breiten Musicalpublikum ein Begriff, beeindruckend war ihre Interpretation der Mrs. Danvers.
Die Rolle der Norma Desmond stellt hohe Ansprüche, vor allem in schauspielerischer Hinsicht. Den Gefühlscocktail aus Zerrissenheit, Drama, Sehnsucht, manisch-depressiven Ausbrüchen und dergleichen sucht man bei Dumas aber vergebens. Sie schafft es kaum Spannung aufzubauen, ihre Ausbrüche kommen aus dem Nichts und verschwinden sogleich wieder dort hin. Sie singt sehr präzise, legt eine wunderbare Technik an den Tag, aber mehr auch nicht. Sie singt ihre Lieder einfach nur runter, da ist kein Spiel, kein Gefühl, der Funke springt einfach nicht über. Norma Desmond verblasst neben Arnsperger, welchen sie dann zurecht am Ende des Stückes erschießt, um endlich selbst im Mittelpunkt zu stehen. Dumas ist eine passable Alternative zu Dagmar Koller, wenn auch schauspielerisch der Grande Dame alles andere als gewachsen.

Bildschirmfoto 2013-03-31 um 22.28.56 Schwer hatte es zu Beginn des Abends auch Harald Serafin. Seine Rolle des Max von Mayerling hat etwas Düsteres, Undurchschaubares an sich, Serafin ist der breiten Masse jedoch als Frohnatur und Scherzkeks bekannt. Anfänglich wollte ihm kaum jemand den stillen Fadenzieher im Hintergrund abkaufen, aber dann hat er zu singen begonnen. Quasi jeder Österreicher kennt Serafins heisere Stimme und manch einer hat vorab schon Zweifel an den Sangeskünsten aufkeimen lassen. Trotz seines fortgeschrittenen Alters sitzt jeder Ton exakt. Gewiss, das Orchester muss ihm schon sehr entgegenkommen und ab und an mal auf ihn warten, doch gelingt es Serafin seine Rolle authentisch wirken zu lassen. Für Auflockerung sollen Ensemblenummern sorgen, welche durch das meist improvisierte Gehopse erdrückend wirken können. Einen besonders heiteren Moment kreiert das Männerensemble, allen voran Christoph Apfelbeck als fröhlich warmer Herreneinkleider. Er umtänzelt bei „Es zahlt die Dame“ Arnsperger mit graziösem Gehopse und spielt großzügigst mit Regenbogenklischees, was äusserst unterhaltsam, weil nicht ins Lächerliche gezogen, rüberkommt und im Gedächtnis bleibt. Die Umsetzung der Klagenfurter Inszenierung ist spannend, nicht immer sehr griffig, mitunter zu zertanzt, an manchen Stellen langatmig und unsauber inszeniert. Die Besetzung kann sich sehen lassen, sie trägt das Stück mit allen Stärken und Schwächen durch den Abend. Allen voran David Arnsperger, der Glücksgriff der Produktion! Ein derart dramatisches Stück in einem Land wie Kärnten, in dem es von gefallenen Diven ja nur so wimmelt, auf die Bühne zu bringen ist zwar riskant, könnte in der momentanen Situation passender kaum sein.

Alle Infos zum Stück: Stadttheater Klagenfurt
Videobeitrag zur Premiere: Kleine Zeitung

Die Vorhersagen der Mayas waren ebensoviel oder wenig wert, wie das zartseidene Gesäusel in manchen Spielstätten des Landes. Dass die Welt sich auch nach dem 21.12.2012 munter weiter dreht, musste sich auch Alexander Tinodi eingestehen, gab er doch dem letztjährigen Weihnachtsprojekt des Performing Center Austria den sinnigen Titel „LAST X-MAS“. Mit LAST wars wohl nix, deswegen werden am 4. und 5. Mai Jungtalente zwischen 10 und 18 Jahren (gilt 18+ auch, ich wäre verfügbar *gg*) zur Kostprobe ihres Könnens in die Zieglergasse geladen, um sich für die mittlerweile 14. Auflage vom X-MAS Projekt zu empfehlen. Die Teilnahme daran kann durchaus Früchte tragen, siehe etwa Linda Geider, Denise Jastraunig, Eva Prenner, Gerhard Prohazka und nicht zu vergessen Jakob Semotan, welche ihre Namen bereits auf diverse Besetzungstafeln in Musicals im In-und Ausland setzen konnten.
Ob es Tinodi und Co. gelingt diesen Trend weiterhin fortzusetzen, wird sich weisen.

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Alle Infos zu X-MAS 2013 gibts hier
bzw. ein Video dazu hier

Malum Prohibitum!

Veröffentlicht: Februar 26, 2013 in Neues, Ronacher, Theater, Wien

Hauptfigur Elle Woods Zitat aus dem neuen Erfolgs(?)Musical Natürlich Blond, trifft den Nagel auf den Kopf. Malum Prohibitum: „Etwas, das nur durch den derzeitigen Konsens der Gesellschaft oder der momentanen Gesetze schlecht ist, aber nicht durch seine eigene Natur“, wobei schlecht in diesem Fall ein wenig zu hart definiert sein mag. Es passt jedoch die Metapher der Kernaussage zu den Ereignissen im Wiener Ronacher Theater. Mit Natürlich Blond ist laut Alfons Haider (und der muss es ja wissen) wieder ein Stück mehr Broadway in Wien angelangt. Worauf sich diese Aussage stützt, sei dahingestellt. Ähnlichkeiten finden sich vielleicht in den Ticketpreisen, die ganz schön unverfroren in die Höhe schießen. Während in London bei selbigem Stück, die erste Reihe als sogenannte Day Seats äusserst preiswert angeboten wurden, darf man hierzulande tief in die Taschen greifen, um dann auf den sogenannte VIP-Sesseln Platz zu nehmen. Diese versprechen beste Aussicht auf Bühne und Orchester. Wer seinen Blick in den Graben schweifen lässt, muss feststellen, dass dort keine Streicher anzutreffen sind. Diese wurden quasi in die Verbannung geschickt und fiedeln in irgendeinem Kämmerlein des Ronacher. Der Grund dafür? Rätselhaft. Ein Orchestergraben ohne Streicher ist wie eine Ehe ohne Sex.

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Intendant Christian Struppeck erweckt in einem Interview mit derstandard.at verstärkt den Eindruck, Zweifel an den Hit-Qualitäten seines neuen Stückes zu haben.“ Selbst wenn Natürlich Blond ein Hit wird, kann es sich aufgrund der Fixkosten nicht ausgehen“, so Struppeck.
Selbst wenn? Was wenn nicht, Herr Intendant, oder anders gefragt, was dann? Eine Eigenproduktion mal wieder, oder erneuter Import von der Insel?

Wer’s locker nimmt, erhält einen unterhaltsamen Abend. Die Übersetzungen ergänzen sich großteils mit den Melodien, manch Stolperstein konnte aber nicht verhindert werden. Die Originalvorlage, keineswegs ein literarisches Meisterwerk, lebt von den Wortspielen und Doppeldeutigkeiten, das sogenannte Comic Timing geht zu jeder Zeit auf. Der Silbenreichtum der deutschen Sprache und das immens hohe Tempo der Show verhindern eine ähnliche Wirkung in der Wiener Fassung. Es geht Schlag auf Schlag. Mitschuld daran trägt auch Koen Schoots, der seinen Taktstock mächtig wirbeln lässt. Auf seine Darsteller scheint er dann und wann mal zu vergessen, während diese sehnsüchtig, aber vergeblich auf den Einsatz des Maestros warten.

Dann sind da noch die Darsteller. Barbara Obermeier als blonde Intelligenzbestie Elle Woods kann durchaus überzeugen. Ihre Stimme ist kräftig und weiß auch in den Höhen zu gefallen. Ihr Gesang klingt gesund, keineswegs gequetscht oder gedrückt. Ihr Schauspiel hingegen ist mäßig bis fad. Wenn sie Warner Huntignton den Dritten ( Hendrik Schall) umschmeichelt, wirkt das, als würde die zarte Obermeier den Hünen erdrücken wollen, anstatt mit ihm zu spielen, auf ihn einzugehen und zu agieren. Aber wen kümmert’s. Das Ensemble beweist, dass es Highspeed- Seilspringen kann und körperlich in außerordentlich guter Form ist. Stimmlich war das ein oder andere Quietschen leider nicht zu vermeiden. Auch die deutsche Sprache scheint manchen Probleme zu bereiten, was der Verständlichkeit nicht gerade zu Gute kommt.

01_NATUERLICH%20BLOND_Copyright%20VBW%20Brinkhoff%20Moegenburg_klein Mit Alexander Goebel hat man sich einen Namen ins Boot geholt, der in Österreich für Musical-Geschichte steht. Galt er doch als DAS Phantom der Oper. Erzählt man sich vom „Goebl“- Phantom, geraten die Menschen ins Schwärmen. Damals noch magisch, verzaubernd, von einem Hauch des Mystischen umgeben, gleicht sein Spiel jetzt einem Comic Relief, nicht mehr und nicht weniger. Statt Spannung auf- wird Spannung abgebaut.

NATÜRLICH BLOND ist Unterhaltung auf sehr oberflächlichem Niveau, voll mit Klischees und Kitsch. Ein paar gesangliche Leckerbissen sind ebenso vorzufinden wie Hunde, gut durchtrainierte Damen und Herren, oder ein Musicalstar aus vergangenen Tagen. Nicht zu vergessen den besonderen Bonus der VIP-Hocker. Ob’s der neue Musical-Hit sein wird, auf den alle gewartet haben, wird sich in den nächsten Wochen weisen. Struppeck und sein Team werden die mediale Klatsche durchaus verkraften und in Zukunft gut überlegen, ob ein Stück, wenn auch anderenorts ein Erfolg, denn auch nach Wien passt. Gewisse Überlegungen bezüglich seiner Rede auf der Premierenfeier hätten Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny wohl auch nicht geschadet. So verkündete er ganz sorgenfrei,“das Rathaus ist PINK, wer gedacht hätte es sei rot, der hat geirrt.“ Außer Acht gelassen hat er hier wohl, dass es eine Partei (NEOS) gibt, die PINK als Erkennungsfarbe verwendet. Oder hat der Herr Stadtrat unabsichtlich Details zu einer möglichen Trendwende in den heiligen Hallen des Rathauses bekannt gegeben? Es hält sich wie mit der Frage, warum die Streicher von ihrem üblichen Arbeitsplatz verbannt wurden, sie bleibt wohl unbeantwortet.

Infos zum Stück: Natürlich Blond

Pressestimmen:
orf.at
Kurier.at
Kleine Zeitung
derstandard.at
Wiener Zeitung
Oberösterreichische Nachrichten